Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 12 (1915-1916)
- Issue
- Heft 2 (9.7.1915)
- Date
- 1915-07-09
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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46 Der Jüdische .Student m diesem entscheidendsten Schritte seiner Jugend gekommen, wenn er damals nicht innerlich mit seiner Schauspielerei fertig md damit in seiner aufwärts strebenden Seele Raum für ein aneues Ideal gewesen wäre. Als Erich Rosenkranz zu Beginn des Wintersemesters 1900 Fux wurde, war Isaak Zwirn bereits zum zweiten Male Erstdiargierter, die V. J. St. rüstete sich, an den Lesehallenwahikämpfen teilzunehmen, und es begann das goldene Zeitalter unserer Studentenbewegung, von dessen hohem Schwung und helliugigem Idealismus sich die heutige Generation keinen Begriff unachen kann. Es war die Zeit, die durch Isaak Zwirns stürmische Tatkraft, Heinrich Loewes reine Begeisterung und das erste Streben Theodor Zlocistis ihr Gepräge erhielt. Eine Zeit, da die Parteigegenstitze des Zionismus noch keine Rolle bei uns spielten, sondern wir alle uns mit reiner, unverbitterter Seele an die Sache hingeben konnten. Damals also wurde Erich Rosenkranz aktiv,'und der arme Walter Perlitz, der nun auch* längst unterm grünen Rasen liegt, wurde sein Leibbursch.. Da Erich damals schon drittes Semester war, wurde er bereits nach einem Semester geburscht. Seine Fuxenarbeit war eine umfangreiche, mit großem wissenschaftlichen Aufwand hergestellte Abhandlung übkr das Buch Ruth, die iie Prüfungskommission wohl schwerlich durchgelesen hat. Es * war am Tage vor dem Antrittskonvent des Sommersemesters 1901, als ich mit Isaak Zwirn in Berlin über den Schloßplatz ging und er plötzlich die Frage an mich richtete- „Nun, Heiliger, wer wird denn morgen wohl Erstchargierter werden?" Damit wollte er mich auf das kommende Glück vorbereiten, denn Isaaks Zwirns Wille war in der V. J. St. Gesetz. Als ich am nächsten Abend auf den Konvent kam, war es für die Bundesbrüder ausgemacht, daß ich Erstchargierter würde, und kaum war die Diskussion eröffnet, als Eschelbacher den entsprechenden Antrag stellte. Da plötzlich kam Zwirn, dem die Sache, doch bedenklich geworden sein mochte, mit dem Gegenantrag, Erich Rosenkranz zum ersten und mich zum zweiten zu machen, damit wir, wie Zwirn mich tröstete, als eine Art „Doppelgestirn" über den Wegen der V.J.St-er strahlten. So geschah's, und die Zukunft hat gezeigt, daß Zwirn Recht gehabt hat, als er den stattlich schönen Erich Rosenkranz auf