Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 10 (21.3.1914)
- Date
- 1914-03-21
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student 349 Mit. überraschender Gründlichkeit und scharfem Blick hat Paqttet die wirtschaftlichen Probleme der jüdischen Kolonisation studiert. Hier kann nicht aiies wiedergegeben werden, was er gesehen hat. Sein Bericht, in einem impressionistischen, leichten und prägnanten Stil geschrieben, ist auch für den zionistischen Kenner interessant und an treffenden Bemerkungen reich. Paquef erörtert die Frage der Erziehung jüdischer Landarbeitrr, die Frauenfrage im Lande und die Koii^L:e mit den Arabern, die Misere der Chaiukah und die industriellen Möglichkeiten des Landes - alles mit kühler, fachmännischer Sachlichkeit Er fühll sich zwar menschlich tief berührt und innerlich mitgerissen, wenn er diese Zeichen einer einzigartigen Wiedergeburt und die Ergriffenheit der jüdischen \v an Geier siehi, die aus allen Ländern des Golus kommen, äußerlich ganz ihren Wiitsvölkern zugehörig und dennoch opferwillig and begeistert für das ^eue jüdische Werk. Aber er will sich nicht irreleiten lassen, will ,,nicht Gefühle voranstellen in dieser abgründigen und verschlossenen Zeit". So berichtet er nüchtern und fast skeptisch-; und dennoch ist zwischen den Zeilen eine kngewisse, aber doch irgendwie zuversichtliche Erwartung. Unß die Prognose, zu der der Autor schließlich kommt, "ist bei aller Vorsicht günstig genug. „Wir erleben in der Gegenwart, da Ii Rußland durch Umsiedelung von Hunderttausende^ seiner Bauern jänrüch die Emoden Sibiriens langsam mit Menschen anfüllt, wir erleben gegenwärtig die rasche Besiedelung Kanadas und! der westlichen, SirenVn des nordamerikanischen Fesüandes., die Urbarmachung Brasiliens und Argentiniens, die Rohausbeuturig des afrikanischen Festlandes, die Besiedelung der südlichen Mongolei und der .Viandschurei durch die Chinesen, die kolonisatorische Eroberung Koreas durch die Japaner. So hat die Besiedelungw Palästinas nichts Besonderes an sich. . . « Erst seit zehn, höchstens seh fünfzehn Jahnen gib! es einen modernen Zionismus. Ueberblickt man, wa^s elise Werbearbeiter bisher für die Durchknetung des in Palästina neu versammelten und des gesamten draufien verstreuten Judentums geleistet haben, und was im Lande geschieht., so muß man zugeben, daß sehen vieles erreich! worden ist. . . , Man kann sagen, die Zukunft in Palästina gehöre den Juden. . . Sei das künftige politische Gebilde noch so zwergenhaft und abhängig von wechselnden, äußeren Dingen, es genügt vollkommen, wenn im Laufe einer kurzen Zeil sich so viel jüdische Bevölkerung in Palästina «n sammelt, daß sie dort mit der nicinjüdischen gleichsteht. Dann ist der jüdische Charakter des Landes gesichert und der archimedische Punkt gefunden, wo eine Entscheidung ansetzt." Darin zeichnet der Autor ein paar Züge des künftigen Bildes: „Allenthalben sind jüdische Viertel moderner Kleinhäuser nach europäischem Atustei entstanden; weitere bessere sind im