Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 10 (21.3.1914)
- Date
- 1914-03-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Der J udische Student Monatsschrift des Bundes Jüdischer C^rporationen s**«^ Der Einzelne und sein Volk Von Rudolf Pick (V.J.SL Maccabaea i. a. B.), Breilau Wenn dem Judentume einst der Künstler erstehen wird, der die unerhörte Geschichte seines Volkes aufzeichnet, dann wird seine Feder mit Hebevollem Erbarmen gerade bei der Zeit verweilen, da die Söhne seines Volkes in die Irre gingen, bei dem Jahrhundert, irudern den Juden West-Europas und Amerikas ihr Judentum zu einem bloßen Schemen herabgesunken war. Und in die Tiefe der Volksseele hinein wird sein Künstlertum dann dringen müssen, um die farbige Zeit der Assimilation der Nachtfeit schildern zu können, und überhaupt die Differenziertheit zu erfassen, die das Judentum unserer Tage charakterisiert. Der unbefangene Zuschauer, der heute den Bau des Judentums betrachtet, wird überall eine zuckende Lebendigkeit gewahren, die zwar dem Judentume das Gepräge eines lebensvollen Organismus gibt, die aber in Wirklichkeit ihrefi Ursprung hat in aufreibenden Kämpfen, und in der Bewegtheit, die im allgemeinen einer Auflösung vorauszugehen pflegt, und mit Interesse wird dieser Beobachter gleichzeitig das Phänomen betrachten, wie ein sterbendes Volk noch im Sterben die feinsten Kulturbewegungen schafft und befruchtet, und so eine Art moderner Mission unter den Völkern erfüllt. Fast alle kulturellen ^Bestrebungen, die der moderne soziale Gedanke erweckt hat, zählen Juden zu ihren begründenden Trägern: die neue Erziehungsbewegung und der Bund für Mutterschutz, die Antiaikohoibewegung und der Bund für soziale Ethik, wie die Bodenreform und literarische und bildnerische Reformgedanken. Alle diese Bestrebungen sehen ift Juden ihre hervorragendsten Vertreter, und insbesondere die jüdischen Akademiker sind es, die auf alle diese Gebiete den Hauptteil ihrer kulturellen Interessen verstreut haben. Das Leben des jüdischen Akademikers, dessen Interessen zumeist, wie gesagt, weit abseits von seinem Berufe liegen, ist heute ungeheuer vielfältig und kompliziert. Wenn man nach einem bekannten Bilde die Eindrücke sammelnde Seele des Ghettojuden mit einem Spiegel vergleicht,