Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 8 (16.12.1913)
- Date
- 1913-12-16
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 275 Kartei Ifagsgedanken Von Rudolf Pick (Ma. i. a. B.), Breslau*) Der XII. Kartelltag. steht vor der Tür, und wir jüngeren Semester, die wir immerhin schon einen Teil der Entwicklung des B. J.C. mitgemacht haben, warten nun mit etwas Neugier darauf, unter welchem Zeichen wohl dieser Kartelltag stehen wird. Wir haben den Straßburger und Bonner K. T. mitgemacht und haben gesehen, daß sie eigentlich keinen besonderen Wendepunkt oder auch nur A\arkstein auf dem Wege bildeten. Die Organisationsreformen, die Straßburg uns gebracht hat, haben sich eingebürgert, ohne daß man weiter über sie spricht, und auch der Streit um „Jüdischismus" und Davidsohnsche Thesen ist verstummt und hat in Knittelversen intelligenter Bierulke ein letztes Ruheplätzchen gefunden. So haben sich auch bald die Leute eingestellt, die die Periode der bewegten, einflußreichen Kartelltage für überwunden halten und glauben, daß nunmehr die Zeit der reinen Arbeitstagungen hereingebrochen sei. Da war es uns interessant, zu erfahren, welche Tagesordnung das Präsidium nun vorläufig in Aussicht genommen hat, und jeder einigermaßen Unterrichtete konstatierte, daß das erwartete Programm auch wirklich aulgestellt ist. Haben wir nun wirklich etwas Bewegendes, etwas Neues vom Kartelltag zu erwarten? Man wird über Satisfaktion reden und über Keilarbeit und darüber hinaus auch über die heutige Stellung des B.J.C., über das Verhältnis des B.J. C. zum K. Z. V. Man wird wohl nicht getrennt darübar sprechen können, und alle vier Verhandlungsthemen werden, miteinander verflochten, in jeder Diskussion wiederkehren. Es wird, wie ich glaube, Aufgabe des K. T. sein, konkrete Beschlüsse zu fassen und das zu kodifizieren, was sich im Laufe der Entwicklung gewohnheitsrechtlich herausgebildet hat. Ein jeder von uns hat sich wohl schon einmal damit beschäftigt, wie wir uns dem K. Z. V. gegenüber stellen sollen. Die Zusammenstöße anläßlich der Keilarbeit und in allgemein studentischen Fragen sind immer schärfer geworden, andererseits ist anscheinend eine immer größere Annäherung unserer Tendenz *) P i ck, der voraussichtlich verhindert ist, zum Kartelltag zu kommen, spricht hier aus, was er Wesentliches zu den Gegenständen der Tagesordnung zu sagen hätte. Es wäre zu wünschen, daß die Delegierten mit demselben Ernst und Fleiß sich mit den Dingen vertraut machen, über die sie in Königsberg beraten und beschließen sollen. Nur wenn wirklich urteilsfähige Bundesbrüder, und nicht Statisten, die gerade den Arm aufzuheben verstehen, auf den Kartelltag geschickt werden und sich, an der I hnd des J.St. und des ihnen vom Präsidium gelieferten Materials, vorbereiten, werden die Debatten nicht jene geistige Armut aufweisen, die cie letzten Kartelltage charakterisierte. Die Vorbereitung wenigstens der v,'ieinigsten Reden würde auch ihren späteren Abdruck und -.'imit eine willkommene Ergänzung :cs allzu dürftigen offiziellen Protokolls ermöglichen. ec