Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 7 (20.11.1913)
- Date
- 1913-11-20
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 235 Zur Einführung der unbedingten Satisfaktion Von \V. Stein (Königsberg A. H.), Königsberg Manche Bundesbruder werden meinen, ich hätte als einer der ältesten anderes zu tun, als mir gerade hierüber den Kopf zu zerbrechen, und könnte jüngeren dies überlassen, und vielleicht haben sie recht. Die Frage interessiert mich aber nun einmal recht lebhaft, sowohl wegen ihrer außerordentlich ernsten praktischen Bedeutung als auch besonders deshalb, weil ihre Behandlung in Schrift und Wort ein bemerkenswerter Ausschnitt aus der Psychologie des B. J. C. ist; ich muß gestehen, es kribbelt mir seit lange in den Fingern, einige einfache Dinge dazu zu sagen. Gegen — sagen wir endlich einmal nicht mehr: die Einführung der unbedingten Satisfaktion — sondern gegen das offene Bekenntnis, daß wir sie eingeführt haben, werden zwei Momente angeführt, ein praktisches und ein ideelles; das praktische: dieses Bekenntnis könnte uns beim Keilen schaden; das ideelle: es statuiere offiziell etwas Unjüdisches im B. J. C, und das sei unserer Tendenz zuwider. Da ich mir in puncto: Jüdisches Empfinden stets ein vorsichtiges Mißtrauen entgegenbringe, so habe ich über die Beziehung des unbedingten Satisfaktiongebens im B. J. C. zu jüdischem Empfinden und jüdischer Art auch etwas nachgedacht; ich bin aber zu einer ganz anderen Erkenntnis gekommen als diejenigen, die bei dieser Angelegenheit um die Reinhaltung unserer Tendenz so ernstliche Sorge zu haben scheinen. Soweit die Gegner der unbedingten Satisfaktion sich überhaupt die Mühe geben, den Satz, daß der Zweikampf etwas Unjüdisches sei, zu beweisen, und nicht einfach auf die gefühlsmäßige Abneigung dagegen verweisen, führen sie nur ein Moment zur Begründung an: der Zweikampf sei Nachahmung mittelalterlich germanischer Sitte und daher von uns Nationaljuden als etwas uns tief innerlich Fremdes abzulehnen. Nun, das ist einfach nicht wahr. Auf mittelalterlich europäischem Boden gewachsen ist das Duell als Gottesurteil und als das feudale Mittel, die — wirklich oder vermeintlich — verletzte Ehre wiederherzustellen; hiermit aber hat unser Satisfaktiongeben ganz und gar nichts zu tun. Wir fechten lediglich aus dem Prinzip •derWehrhaftigkeit heraus, der Zweikampf aus diesem Grunde aber ist eine Einrichtung, die überall und zu allen Zeiten bestanden hat und besteht, auch dort, wo von einer Beeinflussung durch mittelalterlichen Feudalismus oder durch heidnisches oder christliches Germanentum keine Rede ist. Er ist lediglich eine Einrichtung, die entstanden ist aus dem Verlangen heraus, in kräftiger männlicher Weise selbst für sich einzutreten,