Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 6 (30.9.1913)
- Date
- 1913-09-30
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Der Jüdische Student Diese Stimmung ist, wie bereits gesagt, unabhängig Vn:j den Kongreßverhandlungen. Aber durch zwei Momente wui,!- diesmal das Gefühl, daß das jüdische Volk erwacht und auf du--, Wege ins eigene Land sich befindet, noch verstärkt, und zv.-.n durch die erhöhte Bedeutung, die einmal die hebräische Spiadu- und ferner die Palästinenser auf diesem Kongresse sich errungen haben. Viele von uns standen bisher der h e b r ä i s c h e n Sprachbewegung in den Oolusländern skeptisch gegenüber. Da kamen unsere P. üistinawanderer zurück und erzählten, welch klägliche Rolle man ohne Kenntnis der hebräischen Sprache in unserem Lande spielt. Jetzt zeigte uns dieser Kongreß, wie das Hebräische tatsächlich mehr und mehr an Boden gewinnt. Wir, die wir des Hebräischen nicht mächtij; sind, konnten einem erheblichen Teil der Kongreßverhandlun^en nicht folgen, und wir hatten z. B. bei der kraftvoll vorgetragenen Rede Ussischkins während der Generaldebatte den Lindruck, daß uns unsere Unkenntnis um einen hohen Genuß gebracht habe. Ich glaube, nicht wenige von uns sind vom Kongreß gefahren mit dem festen Entschluß, jetzt Ernst zu machen mit dem Erlernen der hebräischen Sprache, da wir sonst befürchten müssen, den Zusammenhang mit dem zionistischen Leben zu verlieren. Und nicht nur unsere Sprache, auch unser Land zeigte auf dem Kongreß seine verjüngte Lebenskraft: 33 Delegierte und ebensoviel Gäste aus Palästina waren als Vertreter unseres Heimatlandes erschienen, ein erheblicher Prozentsatz, und ihre Zahl wird. wachsen, und mehr und mehr werden die Palästinenser auf die Verhandlungen des Kongresse- Einfluß gewinnen. In entsprechender Steigerung wird damit der Kongreß das Bild des Parlamentes eines normalen, auf seinem Boden ansässigen Volkes bieten. Wir aber, des Hebräischen unkundig, aus dem Golus herbeigeeilt, hatten ein seltsam demütig-stolzes Gefühl. Mit Stolz erfüllte uns der Anblick unseres zu neuem Leben erwachten alten Volkes, aber-voll Demut mußten wir anerkennen, daß wir selber nur versprengte Teile dieses Volkes sind. Was die Verhandlungen selbst betrifft, so muß ich davon ausgehen, daß jeder V. J. St.-er durch die Lektüre der „Welt41 über ihren Gang unterrichtet ist, so daß ich mich auf eine Würdigung der Ergebnisse beschränken kann..