Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (20.8.1913)
- Date
- 1913-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Der Jüdische Student Berlin, Bonn und Freiburg Alt-Herren-Bünde. Und mit Genugtuung können wir die günstigen Rückwirkungen dieser neuen Organisationen auf die Kartellvereine feststellen. Gegenüber der starken dauernden Vermehrung hat der B.J.C. einen schweren, unersetzlichen Verlust zu beklagen. Das Mitglied des Präsidiums Referendar Erwin Ooldemann hat am 7. August bei dem Bootsunglück in Swinemünde in den Fluten der Ostsee den Tod gefunden. Mit ihm ist einer unserer Besten, einer der zuverlässigsten Kämpfer für die jüdische Sache von uns gegangen. Unsere jüdische Arbeit innerhalb der Kartellkorporationen wurde nach allen Seiten weiter ausgebaut. Der Fuxenunterricht wurde in systematischer und einheitlicher Weise auf der Grundlage der Lyon sehen und L e 1 e w e r sehen Systeme des Fuxenunterrichts erteilt. Die Ausbildung der Burschen war eine intensivere als früher; in Burschendiskussionen wurden Fragen der Tendenz oder aktuelle Fragen durchgesprochen und die Bundesbrüder veranlaßt, sich mit einem bestimmten engumgrenzten Thema zu beschäftigen und darüber zu referieren. Akut wurde für uns, nicht zum wenigsten durch die Erfahrungen der Palästinareise veranlaßt, die Frage des Hebräischen; eine größere Anzahl von Bundesbrüdern beschäftigte sich unter Leitung älterer, sachkundiger Bundesbrüder oder anderer Lehrer mit der Erlernung unserer Volkssprache. Ueber ihre Tätigkeit auf turnerischem und sportlichem Gebiete haben die Kartellvereine (s. u.) eingehend berichtet. Der jüdischen Oeffentlichkeit gegenüber verfochten wir auch in diesem Semester, unbeirrt durch vereinzelte Angriffe, unseren Standpunkt. Auf der Generalversammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erging sich Herr Professor F a 1 k e n h e i m in seinem Referate über die Gefahren des Zionismus für das deutsche Judentum in heftigen Ausfällen gegen die nationaljüdische Studentenschaft und irri besonderen auf die Vereine jüdischer Studenten. Das Präsidium antwortete sofort durch die Veröffentlichung folgender Resolution: „Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat auf seiner Tagung, auf der gegen den Zionismus Stellung genommen wurde, gegen die Vereine jüdischer Studenten den Vorwurf erhoben, sie seien Vorkämpfer vom Zentralverein mißbilligter Anschauungen in der jüdischen Akademikerschaft Deutschlands. Der B.J.C. rechnet sich diesen Vorwurf zur Ehre an. Der B. J. C. sieht seine Aufgabe in der Verbreitung historischen Stolzes und starken Zukunftswillens unter der jüdischen Studentenschaft Deutschlands. Ohne die Berechtigung und Verpflichtung des deutschen Juden zu Abwehr- und Gleichberechtigungsbestrebungen zu verkennen, kann er in deren Betätigung kein vollwertiges jüdisches Ideal erblicken. Diese negativ gerichtete jüdische Energie drotft aber dem größten Teil der überhaupt jüdisch zu interessierenden1 deutschen' Jtid en sogar einziges jüdisches Ideal zu werden, wenn ein so großer Verband, , wie der Zentralverein, ausschließlich diesen Bestrebungen dienend,' deren — selbstverständliche — Notwendigkeit dauernd verkündet, um unter den