Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (20.8.1913)
- Date
- 1913-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 159 Das neue Judentum und die schöpferische Phantasie*) Von Moses Calvary, Crossen 1. Es ist schon des öfteren betont worden: Der Jude der Gegenwart ist Rationalist, stärker als seine Umwelt, die Zeit, in der er die ersten Kämpfe um seine geistige Emanzipation führte, hielt ihn lange in ihrem Bann. Nicht auf einmal, und nicht aus einer Wurzel heraus wurde die Aufklärung in Deutschland überwunden: eine dieser Wurzeln war die Anerkennung «der schöpferischen Phantasie. Der Begriff des Schöpferischen stammt recht eigentlich aus der Zeit der abklingenden Aufklärung, der Mitte des 18. Jahrhunderts. An englischen Vorbildern erwachsen, wurde er ein Leitwort des Kreises, der sich um und an Herder bildete, und ist ein Hauptbestandteil des Ideenkomplexes, der mit dem Worte Qenie bezeichnet ward: schöpferisch ist allein das Genie, nie der Philister. Wenn damals die Phantasie — „welcher Unsterblichen soll der höchste Preis sein?" — mit auf den Schild erhoben wurde, so war das nicht ohne eine tiefe Umformung des Begriffes möglich. Für Christian Wolff war sie — darauf macht Wundt einmal aufmerksam — noch eine niedere Funktion, die Vorstellungsfähigkeit überhaupt. Wenn sie nun zur Göttin des Dichters wurde, so mußte man erst von ihr ausscheiden, was rein kombinatorischen Charakters war, um sie zur Grundlage künstlerischen Schaffens, zur schöpferischen Kraft, zu erheben. Die neuerwachte Phantasie klammert sich, ganz anders als der so gepriesene Verstand, mit Lebenslust an die Welt der Sinne, die Formen und Farben des reichen Volksdaseins, — und so war die Aufklärung, die die Welt erkennen, nicht schauen und nicht gestalten wollte, von einem Punkte aus überwunden, 2. ' Der deutsche Jude war noch nicht so weit, und als er es wurde, oder hätte werden können, da gab es für seine Phantasie kaum ein Volksdasein, an dem sie sich hätte erneuern niögen. Es war ganz und gar in Gesetzlichkeit gehüllt. Denn es ist sicher, so energisch wir auch statt der rein religiösen Auffassung .*) Dieser Aufsatz stammt aus einem neuen Buch^;das unter dem Titel; a„Vora juden^tkiii", ein S am'melbuch, h e r au&geg.eben voin Verein ./jliMiih e'r rfochschüler Bar-Kochba in i?rag, in den -nächste;Tageh;":im 'Vertage vbri •'Kurf Wölff in Xeipzrg erscheinen wird. DasBuchi* desseriDrückbogen lins vorliegen* tiütffe durch die Qualität seiner Beitrags/ alle fmlie^n^rPubii^tipiien älmlicher Art übertreffen. '(Preis 3.50 M ,: geb. 4.3jQ M.). ~ Dei; Jvu^sÄbef^eaui4^ „BariKoqhba" in Prag, und der ^Verfasser: hjaben uns zu dem, ßtruck;'dex l Vorliegenden Arbeit *Jn ^ahkens- ^ertef Wei^ermächtigt.^ J :^ ' "!; 5 Di Red.;