Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (20.8.1913)
- Date
- 1913-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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142 Der Jüdische Student mehrt unsere Trauer. Aber der Grundzug unserer Trauer ist, dass einer uns genommen wurde, der, voll stolzer Liebe iür sein Volk, mit uns kämpfte und uns so im besten Sinne ein Bundesbruder war. Wir werden die Erinnerung an ihn bewahren. Erwin Goldemann wurde am 28. Juni 1890 in Berlin geboren. Er besuchte das Andreas-Realgymnasium in Berlin, das er Oktober 1908 mit dem E-eifezeugnis verliess. Er studierte in Berlin und Freiburg Jura und bestand im Frühjahr 1912 das Referendarexamen. In seinem zweiten Studiensemester, im April 1909, wurde er in Berlin im V. J. St. Maccabaea aktiv, der ihn Ende Januar 1910 in den B. C. rezipierte. — Sein Leibbursch war Ernst Pinner, seine Leibfüxe sind Walter Hirschfeld und Heinz Bieber. Im Sommer Semester 1910 bekleidete er die Erste Charge im V. J. St. Freiburg, wurde im Wintersemester 1910/11 in der Maccabaea inaktiviert und im Sommersemester 1912 zum Alten Herrn ernannt. Als Delegierter vertrat er die Maccabaea auf dem X. und XI. Kartelltag. Auf dem letzten (XII.) Kartelltag wurde er zum Ersatzmitglied des Präsidiums gewählt und in dieser Eigenschaft am 1. Juli 1913 in das Präsidium berufen. — Am 7. August 1913 fand er bei einem Bootsunglück in Swinemünde zusammen mit seinem Vater den Tod. Kampf Organisation und Individualität Von stud. jur. Gerhard H o 1 d h e i m (V. J. St. Maccabaea), Berlin „Der höchste und letzte Zweck jedes Menschen ist die propoitionierliche Ausbildung seiner Kräfte und deren individuellen Eigentümlichkeiten." Wilhelm von Humboldt Die Epoche, die wir heute durchleben, ist wohl die eigenartigste in der eigenartigen Geschichte des jüdischen Volkes. In einer Zeit äußerster Assimilation, in der einem großen Teile der Judenheit die Zugehörigkeit zum jüdischen Volke aus dem Bewußtsein entschwunden ist, in der Tausende und Abertausende verächtlich ihr Judentum von sich werfen, in einer solchenZeit erlebt das Judentum seine nationale Auferstehung. Der bessere Teil der Judenheit negiert willensmäßig das Leben im Goluth, das ihm trotz Emanzipation und Bürgerrechten noch immer nicht