Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 4 (30.7.1913)
- Date
- 1913-07-30
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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116 Der Jüdische Stüde keiner Weise ausnützen können; denn es fehlt ihnen, die eineij ganz isolierten Kreis darstellen, jeder Rückhalt an einer größeren Gemeinschaft, die durch systematische Erziehung und dadurch her« vorgerufene Einheitlichkeit der Stimmung in der Lage wäre, ihnen sofort zu folgen und so Stützpunkte für eine breitere Arbeit zu liefern. Daß die Alten Herren der österreichischen Korporationen in ihrer Masse einen Haufen gänzlich wertloser Figuren bilden, die bestenfalls Schekel zahlen, ohne zu wissen, was das bedeutet, ist Euch ja bekannt; ebenso, daß die Korporationen selbst gänzlich werflos sind. Weniger bekannt dürfte schon sein, daß. in allen diesen Beziehungen die Verhältnisse in Galizlen und der Bukowina nicht nur genau so, sondern noch schlimmer liegen. (Man bekommt hier in Wien Einblicke in die Zustände aller Länder der Doppelmonarchie; es sind Leute aus allen Gegenden hier.) Interessant ist nun, daß diese elenden Zustände keineswegs, wie bei uns immer verkündet wurde, ihren Grund in der Veräußerlichung der Verbindungen haben. Die studentischen Vereine — es besteht hier ein schroffer Gegensatz zwischen Verbindungen und Vereinen —, die gänzlich unkorporativ sind, bemühen sich auf allen Gebieten, wo dies nur irgend möglich ist, noch jämmerlicher zu sein, als die Verbindungen. Ich bin hier zu der Ueberzeugung gelangt daß alle diese äußerlichen Dinge -in einem sehr viel entfernteren Zusammenhang zu der zionistischen Leistungsfähigkeit der Korporation stehen, als wir bei der Beurteilung hiesiger und bei Rückschlüssen auf eigene Verhältnisse angenommen haben. Der Grund für die Korruption der hiesigen Verhältnisse liegt im wesentlichen allein dann, daß man hier keinerlei Verständnis für die erzieherischen Aufgaben der Korporation hat. Die Bedeutung unseres Prinzips vom Erziehungsverein hat sich mir nie so klar gezeigt, wie hier. Das wird verständlich und steht im Zusammenhang mit einer Erscheinung, die für den Zionismus hier aligemein von Bedeutung ist. Man hat hier nicht das geringste Verständnis dafür, daß Erziehung zum Zionismus eine Schulung der Geister bedeuten muß. Wenn man von gut arbeitenden Korporationen spricht, so meint man solche, die ihre Leute agitieren, Versammlungen machen, Schekel verkaufen lassen. Also bestenfalls äußerliche Tätigkeit, auf den Gedanken einer nach innen gerichteten Arbeit an den eigenen Leuten kommt man gar nicht/). *) Der Bar K o c h b a - Prag leistet in erzieherischer Hinsicht offenbar ebenfalls sehr wenig; er macht anscheinend einen Fehler aus entgegengesetzter Richtung: er beschäftigt sich zwar mit geistigen Dingen, aber nicht um zu erziehen, sondern um einen erlesenen Kreis eigen-schöpferischer, mit dem geistigen Urstoff und seinem Vater B u b e r Vertrauter heranzubilden; der bar Kochba wird übrigens von den guten Zionisten hier sehr mäßig beurteilt.