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Der jüdische Student · 1913-07-30 · Heft 4 (30.7.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
10 (1913-1914)
Issue
Heft 4 (30.7.1913)
Date
1913-07-30
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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112 Der Jüdische Student in den anderen Ländern genommen hat. Bei ihrem noch geringen Alter fiel es der jüdischen Turnerschaft nicht besonders schwer, von dem bisherigen System abzugehen und der modernen Körperkultur auf ihren neuen Wegen zu folgen, ganz im Gegensatz zur Deutschen Turnerschaft, deren im Dienste des deutschen Turnens ergraute Führer mit allen, auf die Dauer freilich untauglichen Mitteln die Ausbreitung des Sports in ihren Reihen zu verhindern suchen. Worin besteht nun dieser Gegensatz zwischen Turnen und Sport? Nicht etwa, wie man vielleicht annehmen könnte, in der Art der Körperbetätigung, denn in dieser Hinsicht stehen zum Beispiel der Eiskunstlauf oder das Kunstradfahren dem Geräteturnen viel näher als manchen anderen Sportarten wie Rudern, Laufen, Schwimmen. Der Unterschied ist vielmehr hauptsächlich in dem Betriebe des Turnens und des Sports zu suchen. Im Turnsaal sehen wir alle stumm den Befehlen des Turnwarts oder der Vorturner folgen. Diesen allein steht die Entscheidung zu, was und welches Maß an Körperleisüing von den einzelnen zu verlangen ist, und der durch die Masse der Turner bedingte Riegenbetrieb gestattet nur, gleichmäßige, je nach der Güte der Riegen mehr oder minder hohe Anforderungen zu stellen, die den Fähigkeiten und Wünschen der einzelnen oft sehr wenig gerecht werden. Eine Aufhebung dieses turnerischen Prinzips finden wir erst beim Kürturnen, wo jeder seinen besonderen Neigungen nachgehen darf und sich nach seinem Können an den einzelnen Geräten und nach seiner augenblicklichen körperlichen oder auch seelischen Disposition richten kann. Eben diese Faktoren kehren im S p o r \ - betrieb wieder. Dort kommt aber noch als besonderes Moment der Wettkampf hinzu, der beim Turnen durch die besondere Vorbereitung jedes einzelnen den geordneten Betrieb stört und deshalb hier als ziemlich nebensächlich betrachtet wird. Der Sportbetrieb hingegen stellt bei wirklich sportlicher Auffassung fast überall nur eine einzige Vorbereitung zum Wettkampfe dar, indem der einzelne dazu veranlaßt wird, alle seine in Frage kommenden Fähigkeiten, körperliche wie geistige, zu höchster Entfaltung zu bringen. Es wäre falsch, zu glauben, daß der Sport einen besonderen Reiz nur ausübe auf die Leistungsfähigsten, auf die „großen Kanonen" und Rekordbrecher. Für sie wie für die große Masse der anderen liegt der Hauptreiz vielmehr gerade darin, die körperlichen Fähigkeiten unter verständnisvoller Berücksichtigung aller Momente physikalischtechnischer sowie physiologischer und hygienischer Art zu erhöhen und im Wettkampf mit gleichwertigen die Energie des Willens zu stärken und immer aufs neue zu erproben. Aus dieser kurzen Darstellung des Wesensunterschiedes zwischen Turnen und Sport oder vielmehr zwischen Turnbetrieb

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