Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 4 (30.7.1913)
- Date
- 1913-07-30
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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HO Der Jüdische Student überall die Direktiven zu geben hat. Der Aufsichtsrat unserer Bank besieht heute aus 21 Mitgliedern, die statutengemäß dem Großen Aktionskomitee angehören müssen. Auf dem vorigen Kongreß hat um die Zusammensetzung dieses Aufskhtsrats ein Kampf stattgefunden, mit dem Ergebnis, daß im Aufsichtsrat die Minorität des A.C. in der Ueberzahl war. Das E. A.C. und seine Anhänger sind entschlossen, diesen Zustand auf dem Wiener Kongreß zu ändern. Sie verlangen, daß man dem großen A. C,. dem man das Wohl und Wehe der ganzen Organisation anvertraut, auch die Leitung der Bank überläßt. Sie empfinden jede andere Zusammensetzung des Aufsi-chtsrats, wodurch man die Mittel der Bank gewissermaßen vor dem E. A. C. schützen will, als ein kränkendes Mißtrauensvotum, und betrachten den Ausschluß von neun Mitgliedern des Aktionskomitees, unter denen sogar Mitglieder des E. A. C. sind, als eine unberechtigte Disqualifizierung. In der Oeffemtlichkeit werden sich diese Kämpfe bis zu einem gewissen Grade in der Debatte über unsere Banken widerspiegeln, die durch ein Referat des Vorsitzenden der Kolonialbank, Dr. N. Katzenelsohn, eingeleitet wird. Sie werden ihre formelle Entscheidung in der Generalversammlung des J. C. T. finden, die nach altem Brauch an einem der letzten Kongreßtage abgehalten wird, bdm bevorstehenden Kongreß wahrscheinlich unmittelbar vor der Schlußsitzung des Kongresses. Einen Höhepunkt des Kongresses dürfte, wie In Basel, auch diesmal die K u 11 u r d e b a 11 e bilden. Ussischkän, der Palästina in diesem Jahre besucht hat, wird über däe Fortschritte unserer kulturellen Tätigkeit in Palästina berichten imö an sein Referat wird sich der allenthalben in der Organisation mit größtem Interesse erwartete Vortrag von Professor Welzmann über die Errichtung einer jüdischen Universität in Jerusalem anschließen. In der Debatte wird das Universitätsprojekt voraussichtlich im Vordergrunde des Interesses stehen. Es ist nicht anzunehmen, daß der XL Kongreß in dieser Frage positive Beschlüsse fassen kann, denn die Realisierung einer so ungeheuren Aufgabe erfordert Vorarbeiten und finanzielle Mittel, wie wir sie heuie noch nicht zur Verfügung haben. Der Gedanke aber ist gut und er wird von andern in die Tat umgesetzt werden, wenn wir uns die Initiative nehmen lassen. Wenn der Kongreß daher das neue A. C. oder eine besondere Kommission beauftragen wird, die Frage weiter zu studieren und die Vorarbeiten weiter zu führen, so wird er damit durchaus nicht eine Vertagung ad calendas Graecas beabsichtigen. Jede A. C-Sitzung nach dem Kongreß wird sich mit der Universitätsfrage zu befassen haben, und man kann schon jetzt prophezeien, daß sie auf der Jahreskonferenz 1914 und auf dem XII. Kongreß wiederum im Mittelpunkte stehen wird.