Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 2 (31.5.1913)
- Date
- 1913-05-31
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische .Stucent 43 Wahrlich, wir wären auch Zionisten, wenn es Palästina nicht gäbe, denn nicht Palästina war zu uns gekommen, somdern wir haben es gesucht von der Not des Alltags getrieben; aber arm wären wir, so entsetzlich arm, daß wir seelisch Bankerott ansagen könnten. Und wenn man fragt, wie diejenigen, "denen es nicht vergönnt ist, im Lande zu arbeiten oder auch mir es zu sehen, ihrem Zionismus Inhalt geben können, so sage iich: durch den Willen hinzukommen. Zieht Palästina herab wn seiner Höhe als einen ganz realen Faktor in Euer Denken innd knüpft Bande zwischen Euch und ihm, indem Ihr die Sprache lernt, die dort klingt, denn nicht lauge mehr wird's dauern und der frische Geist dort wird zu Worten und Liedern sich verdichten. Seid bereit, ihn durch das Herz Euch ziehen zu lassen! — Unsere Fahrt war die erste; sie wird nicht dfe letzte gewesen sein. Jeder Frühling wird neue Leute hinaufführen, die es hinabziehen aus nebelhaften Fernen in ihre Wirklichkeit,. die es lieben lernen und es durchwandernd sich die Selbstverständlichkeit erwandern. Und um nun vom B. J. C. zu sprechen, so glaube ich, daß für ihn sich kein besseres Erziehungsmittel hätüe finden lassen als diese Palästinafahrten: wenn immer mehr dortlfeuntergezogen sein werden, und zurückkommend diese fröhliche Selbstverständlichkeit des Zionismus, des judeseins, sich mitgebracht haben, dann wird hoffentlich das viele, allzuviele Tteoretisieren aufhören, das oft nur den Mangel an Energie überdecken soll. Und für die anderen, die noch die Fahrt vor sich haben und früher oder später sie machen wollen — es sollte wohl keiner dabei fehlen — für sie wird es ein Äsrsporn sein zu lernen und zu arbeiten, denn viel mehr sieM das Auge des Vorgebildeten als das des naiven .Beschauers. Es gibt viel zu denken, zu überlegen und zu sorgen, denn Palästina ist noch nicht das Palästina Altneulands. Und wenn \ck so sprach, als ob es schon unser eigenster Besitz sei, so meine ich den Besitztitel, der unzerstörbar uns mit diesem Lande verMndet. Faktisch zu erobern ist noch viel, leider allzuviel, mit der Hacke wie mit der Rechentabelle Auch dort gibt es Kleinigkeiten und Kleinlichkeiten, wo das Mühsal des Alltags den Glauben zu erdrosselte droht, gerade so wie bei uns im jüdischen Leben, gerade so wie bei uns in der Korporation. Aber das, was geschaffen ist, was wir bereits als junge Knospen sehen konnten, gibt uns den Glauben, daß es werden kann, wie es sein soll, wenn wir nur wollen.. So wird die Palästinafahrt in uns den MM erstarken, _ hinwegzuschreiten über all die Steine, die uns im Wege liegen und die man uns vor die Fül3e zu rollen sich fcrnüht, vorwärts zu einem frohen, lebensstarken Judentum in"PäSstinä!'