Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 2 (31.5.1913)
- Date
- 1913-05-31
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Der Jüdische Student irgend welcher.Art geben; wer die anstellt, zeigt nur, daß er den restlosen Willen zum Kampf nicht aufbringt, den das gesunde jüdische Gefühl von uns verlangt. Vollkommene Unbedingtheit ist notwendig, wenn wir, wie" es erforderlich ist, den Eindruck hervorrufen wollen, daß jede Verletzung unserer Würde uns zu einer entschiedenen Abwehr bereit findet. (Diese, jede vernünftelnde Überlegung ausschließende Entschiedenheit erfordert unter Umständen auch — um diesem Einwand zu begegnen — Mensuren zwischen Juden, die uns übrigens z.T. in nicht viel, anderer Weise entgegentreten wie Nichtjuden.) Alle B. J. C.-er müssen Leute mit dieser vollkommenen Entschiedenheit, mit dieser Schärfe des Auftretens Anderen gegenüber sein. Ich glaube, daß diese notwendige Schroffheit unseren Leuten zum Teil noch fehlt, daß sie bei Zusammenstößen nicht immer den entschiedenen, mitunter vielmehr einen, ich will einmal sagen, zu zarten Eindruck machen. Ich glaube aber, daß die schönste Beherrschung.unserer theoretischen Schriften keinen Ersatz für die Fähigkeit bieten kann, sich im gegebenen Fall als Jude Achtung zu verschaffen. Daß bei uns das Gefühl von der Notwendigkeif, unter allen Umständen persönlich einzutreten, lange nicht in genügendem Maße verbreitet ist, zeigt nicht nur die Münchener K. C.-Affäre;1) das zeigt sich auch, wenn ein K. V. lange darüber verhandelt, ob man einen Mann nicht doch behalten kann, der, als Forderer hängend, sich seinen Eltern gegenüber chrenwörtüch zum Kneifen verpflichtet hat, und daß ■ Diese Angelegenheit ist in mehrfacher Beziehung ein ausgezeichneter Bewek für die Notwendigkeit der unbedingten Satisfaktion. Die geistigen Führer4' Münchens behaupten, Anhänger der unbedingten Satisfaktion zu sein. Wie wenig muß der B.J.C. bei dem heutigen zwiespältigen Zustand es verstanden haben, klar zu machen, was unbedingte Satisfaktion bedeutet! Die fraglichen Bundesbrüder werden aber — was fast noch schlimmer ist als der Vorfall selbst — nicht in genügender Weise zur Rechenschaft gezogen. Wäre das in einem Karfell mit unbedingter Satisfaktion denkbar?^ Schließlich, ■ worin bestellt der klägliche Rechtfertigungsversuch gegenüber dem K. C? Man v/eist schnell darauf hin. daß ja nicht alle B. J. C.-er unbedingte Satisfaktion zu geben brauchten. Die ganze Geschichte wäre von Anfang bis zu Ende unmöglich gewesen, wenn wir unbedingte Satisfaktion hätten. Und der wiiklich erhebliche Schade, den wir durch den Verlust einer größeren Zahl von Füxen erlitten haben, wäre vermieden" worden. Daß dieser Verlust wirklich eingetreten ist, zeigt zugleich, welche Bedeutung der Satisfaktionsstandpunkt für die Keilarbei't hat.