Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (28.4.1913)
- Date
- 1913-04-28
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Der Jüdische Student Chanukah-Abenden auch Purimfeiern, Pessach-Abende, ja selbst für auswärtige Bundesbrüder regelmäßige Freitag-Abende zu veranstalten u. dergl. Es ist aber eine Verschwendung, nicht nur au Zeit, sondern vor allem an Kräften, aus den oben skizzierten Ideen ein Programm zu machen. Denn erstens werden alle Bemühungen in dieser Richtung nur Stückwerk bleiben, vorläufig wenigstens, weil wir in Deutschland einfach so weit noch nicht sind. Zweitens aber, und das ist das Wesentliche, liegen unsere brennenden Aufgaben auf ganz anderem Felde, und um unsere Aufgaben zu erfüllen, müssen unsere Kräfte an einer ganz anderen Stelle einsetzen. Wir haben den Zionismus in Deutschland zu verbreiten, wir sind eine Schule. Um etwas zu leisten, muß zunächst einmal die Schule als solche gut sein : es muß Disziplin herrschen, Lehrer- und Sclüilermaterial müssen brauchbar sein. Und bekannt muß die Schule sein, als gut bekannt. Das zu werden, wird man mir entgegenhalten," war unsere Aufgabe bis heute, jetzt wollen wir uns eine weitere Aufgabe stellen, nachdem wir jene erste'gelöst haben. — Weit gefehlt! Bis zur Lösung jener ersten Aufgabe fehlt uns noch ein großes Stück, und wenn wir uns so gern, als Richter in eigener Sache, bestätigen, daß wir gut gearbeitet haben und im letzten Jahre wieder ein schönes Stück vorwärts gekommen sind, so liegt darin ein gut Teil Selbsttäuschung, so wahr es auch zum Glück wenigstens teilweise ist. Betrachtet man nämlich die Lage des B. J. C. in Ruhe, so wird man finden, daß sie so rosig nicht ist, wie sie nach J. St,-Artikeln und dem, was man sonst liest und hört, zu sein scheint. Von den zehn Vereinen, die unser Bund jetzt zählt, sind augenblicklich zwei intern suspendiert. Von diesen ist der eine schon seit langem ein Sorgenkind des B. j. C, und die Aussichten, daß er den Kosenamen ablegt, sind nicht überwältigend groß. ) Der andere hat zwar immer ein eigenes Gesicht gehabt — und das will schon etwas heißen —, ob aber das Gesicht das eines V. j. St. ist, ist zum mindesten fraglich und jedenfalls von periodisch dort auftretenden Reformern energisch verneint worden. Der V. J. St. Breslau hat semcsterlang ein Scheindasein geführt und fängt jetzt erst wieder an, Boden zu gewinnen und V. J. St.-er-Arbeit zu leisten. Der V. J. St. M ü nche n ist in der Studentenschaft und Bürgerschaft Münchens unten durch — seil Jahren ist kein Münchener *) G o 1 d s t e i n s Kritik der Vereine hält sich durchaus in sachlichen Grenzen und verdient deshalb gehört zu werden. Aber sie bleibt natürlich seine, persönliche Ansicht; der Abdruck besagt — wie der Deutlichkeit wegen hervorgehoben werden soll — nicht, daß Präsidium oder Redaktion sich mit ihr identifizieren. ec