Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 12 (31.3.1913)
- Date
- 1913-03-31
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Einiges zu dem Artikel von Bbr. Hirschbruch*) Von Arthur Stein (Maccabaea 1. a. B.), Straßburg Ueber viele Dinge herrscht im B.J. C eine merkwürdige Unklarheit, die wieder eine unheilvolle Unsicherheit zur Folge hat. Ich meine z. B. die falsche Einschätzung des Menschenmaterials, das wir im B. J. C. haben und vermutlich in Zukunft haben werden. So und so viele Bundesbrüder haben im J. St. und auf Kartelltagen auseinandergesetzt, welches Minimum an positiven Kenntnissen wir von den V. J. St.-ern verlangen müssen. Aber offenbar hat sich nie jemand klar gemacht, wie die Leute aussehen, von denen wir das verlangen. Für das, was heute bei uns gefordert wird, ist beim Durchschnitt — und nur dieser kann für allgemeine Betrachtungen in Frage kommen — nicht genügend Aufnahmefähigkeit vorhanden. Bei der Bemessung der Ansprüche nehmen die älteren Bundesbrüder auf die völlige Ahnungslosigkeit dieser Füxe keine Rücksicht, und vor allen Dingen vergessen sie eins: als wir vor vier bis fünf Jähren anfingen, uns mit dem Zionismus zu beschäftigen, konnten wir mit Leichtigkeit in einem Semester alles lesen und verarbeiten, was über nationales Judentum in deutscher Sprache geschrieben worden war. Inzwischen ist ein Buch nach dem anderen erschienen — und jedes ist wichtig! Wir haben diesen ganzen Prozeß verfolgt — aber die Neulinge, die jetzt an diese Fragen herantreten, stehen ratlos vor einer großen Bibliothek. Unsere sachverständigen Bundesbrüder hätten, um nur ein Beispiel anzuführen, längst wirklich brauchbare Prüfungsordnungen abfassen sollen, nach denen die Lektüre bestimmter namentlich aufgezählter Bücher (auch belletristrischer Natur) als unerläßliche Vorbedingung zur Zulassung zum Fuxen- resp. Burschenexamen zu fordern ist. Es hätten z. B. längst Maßnahmen ergriffen werden müssen, durch welche die Bibliotheken der V. J. St.-en auf einen den Anforderungen entsprechenden Stand gebracht werden und durch welche die Bundesbrüder von Vereinswegen, soweit es möglich ist, zur Einrichtung von eigenen Bibliotheken angehalten werden. Statt aber wirklich geeignete Maßnahmen zu ergreifen, häuft man ein nicht zu bezwingendes Material an (vgl.'z.B. die Kartelltagsanträge bez. der hebräischen Sprache). Ich komme zu einem zweiten Irrtum, der verhängnisvoll ist, weil er über den heutigen Stand des B.J. C. täuscht — ich verweise hier auf die Beurteilung von Bbr. Hirse hbruch, der über die ganzen jüngeren Generationen des B. J. C. den Stab bricht; es liegt hierin eine ganz gewaltige Unterschätzung des Willens der Jüngeren. Besonders merkwürd.g erscheint mir der ständig *) Dieser Artikel lag bereits vor dem K. T. fertig vor; vieles von dem,' was ich hier bringe, wurde auch auf dem K.T\ gesagt, vieles durch einzelne Vorfälle bestätigt. Nachdem ich einiges ergänzt und verändert habe, halte ich den Artikel immerhin noch nicht für veraltet.