Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 11 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 45)
- Language
- German
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Der Jüdische Student 415 nehmen, daß diese Bestrebungen in irgend einem Gegensatz zu deutschnationalen Interessen stehen können. Grundfalsch ist es daher, daß nationales Judentum und deutschpatriotische Gesinnung unvereinbar seien. Jeder Jude, dem seine eigene Nationalität lieb und teuer ist» wird den Interessen seines Vaterlandes, dem er als Staatsbürger angehört, mindestens dasselbe Verständnis und dieselbe Liebe entgegenbringen wie derjenige, der sich seiner eigenen Abstammung schämt und sie zu verbergen sucht. Merkwürdigerweise wird dies fast nur von gewissen jüdischen Kreisen geleugnet, während viele vorurteilsfreie Christen, darunter in hervorragender Stellung befindliche Gelehrte und Staatsmänner, volles Verständnis und lebhafte Anteilnahme an den Bestrebungen der nationaljüdischen Bewegung gezeigt haben. Patrioten sind begrifflich alle diejenigen, die ihr Vaterland lieben und sein Bestes fördern. Dies geht auch aus den Worten des Kaisers hervor, die er 1902 in Posen sprach : „Das Königreich Preußen setzt sich aus vielen Stämmen zusammen, die stolz sind auf ihre frühere Geschichte und Eigenart. Das hindert sie nicht, vor allem gute Preußen zu sein." Im Sinne dieses Kaiserwortes betrachten sich die Mitglieder des Bundes jüdischer Korporationen wie alle deutschen Juden nicht nur staatsrechtlich als Angehörige des Deutschen Reiches, sondern, auf deutschem Boden aufgewachsen, nehmen sie vollen Anteil an der deutschen Kultur und sind jederzeit bereit, an der Größe des deutschen Vaterlandes mitzuarbeiten und in Not und Gefahr nach Kräften für dasselbe einzustehen. Wenn der Bund jüdischer Korporationen also für die jüdische Jugend das positive Ideal aufgestellt hat, die Tradition des jüdischen Volkstums zu Wahren, so kann er doch mit Rechtbehaupten, dal) dieses nicht im geringsten Gegensatz zur deutschen Vaterlandsliebe steht. Daß weite Kreise der deutschen Juden nicht dieselben Vorurteile gegen den Bund jüdischer Korporationen hegen wie der Vorstand der Synagogen-Gemeinde Cöln, beweist die Tatsache, daß der Verband heute schon fast 700 Aktive und Alte Herren umfaßt. ) Es braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden, daß wir es au2 das lebhafteste bedauern, wenn solche Auseinandersetzungen in der O-fv.ntlichkeit notwendig sind. Die Tatsache, daß die Jugend die Idee de- B.J.C. immer entschiedener aufnimmt, kann von manch einem eben nicht verschmerzt werden. Wir hoffen aber zuversichtlich, daß schließlich auch die letzten Anhänger der alten Richtung einsehen, werden: einmal, daß ihr Widerstand nutzlos ist, und ferner, daß die Jugend ihrem Recht und einem inneren Gesetz folgt, wenn sie nach höheren und umfassenderen Idealen verlangt, als sie ihr die ältere Generation zu bieten vermag. Daß wir *— ganz wie die ältere Generation —, auch unsererseits mit Entschiedenheit gegen den Antisemitismus Front machen, beweist die Königsberger Kaiserhoch-Affäre, über die-an anderer Stelle berichtet ist. . Der Kampf gegen den Antisemitismus" ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Wir führen ihn mit der Energie, die er erfordert. Nur glauben wir, daß er als Idee nicht ausreicht, um Inhalt und Ideal einer jüdischen Korporation zu sein. Unser Ideal ist der Kampf für die Erhaltung- - <und die Erneuerung des Judentums. Berlin, im Februar 1913 Das Präsidiuni des Bundes Jüdischer Corporationen Dr. Erich Rosenkranz