Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 11 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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374 Der Jüdische Student Die Frage ist heute: wer bekennt sich zu einem nationalen Judentum und einer nationalen Zukunft, und wer nicht? Diese Frage legen wir jedem vor, um den wir werben. Sie kann nicht mit einem laienhaften Ja oder Nein beantwortet werden, sie will durchdacht sein. Blasiertheit und Superklugheit, dieses Zubehör der Sterilität, beide leider häufig genug in unserer früh alternden Jugend, werden mit der Antwort schnell genug bei der Hand sein. Aber auf diese flügellahmen Jünglinge verzichten wir; wir hoffen auf den unverbrauchten, noblen und vorurteilslosen Teil unserer akademischen Jugend! Noch immer hat ein Programm, das für ein großes . ideal Opfer der Persönlichkeit verlangte, die männliche Jugend fester an sich gezogen, als alle noch so „zweckmäßigen" Utilitätsforderungen. Und nichts ist für einen jungen Menschen, der ein anständiger Mann werden will, verderblicher, als sich in eine laule Neutralität verlocken zu lassen, in der man den Mut zur Entscheidung verliert. Gewiß ist es einfacher, K. C-er oder F.W.V.-er oder etwas derartiges Halbes zu werden, als gerade V. J.St.-er. K. C. und F.W.V. und paritätische Korporationen leben von den Vorstellungen einer vergangenen Zeit; die Geschichte, die Wirklichkeit ist längst über sie hinweggegangen. Welcher reinlich empfindende Jude wird sich in einer paritätischen Korporation mit getauften Juden an eine Kneiptafel setzen, wer dort das Weihnachtsfest der Christen feiern wollen? Wer will sich mit dem K. C. bei einem Judentum honoris causa begnügen? W i r verlangen mehr. Wir wollen den ganzen Menschen und verlangen, daß er lebenslang unser bleibt. Verlangen, daß jeder der Unseren sich immer und überall für das Judentum, wie wir es verstehen, bedingungslos einsetzt. Dafür aber lernen wir auch das einzige wirkliche Glück kennen, das es für einen Mann gibt: das Bewußtsein, etwas geleistet zu haben für eine große und gute Sache. Wir vertrauen bei unserer Werbearbeit auf die edlen Instinkte der jüdischen Jugend, die auch eine nunmehr hundertjährige Erziehung zur Selbstverleugnung nicht hat vernichten können. Das Wachstum der V.J.St.-en zeigt, daß wir Recht haben, und so wird es auch bleiben. Jeder Kampf, den man gegen uns führte, hat noch