Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 10 (28.1.1913)
- Date
- 1913-01-28
- Page
- [Seite] (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3537599-3537600-3537610--2681-3540779- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
360 Der Jüdische Student individuell. Man ist nicht berechtigt, hier von einer Golustragik zu sprechen. Wer den Zionismus erlebt, der hat sicherlich den Wunsch und die Hoffnung, caß mit neuen Menschen neue jüdische Werte in eigenartig nationalen Formen entstehen; und auch die überlieferten Formen mögen solche Fortbildung erfahren. Doch er weiß auch, daß dieses Nere nicht auf dem Boden des Golus wächst; und seine Lebensrichtung wird ihn nicht verführen, im Oolus etwas zu erstreben, was nur in Erez Israel durch angespannte Volkstätigkeit in langsamem Wachstum sich bilden und nur von dort aus als Produkt des Volksgeistes dem Judentum draußen zugeführt werden kann. Sein der jüdischen Zukunft zugekehrter Geist wird der jüdischen Vergangenheit immer gerecht werden. Wer aber den Zionismus nicht erlebt, der nimmt vergebens seine nationale Zuflucht zu den Goluswerten des Judentums. Sie können niemals ein Ersatz sein für die zionistische Lebensform. , - Unsere Palästinafahrt Von Dr. Theodor Z l o c i s t i (B. A. H.), Berlin Unsere Reise ist gesichert! . \ . Stolz und froh stehen diese Worte da; und der Glanz wie von lieben Festen leuchtet in ihnen auf; von Siegesfeiern! Alle, die mein Wanderruf traf, rangen mit ihrer Sehnsucht, mit ihren inneren Pflichten, mit den Bedrängnissen von außen her. Und wer dennoch unterliegen mußte, der staute in sich die Hoffnung auf, daß auch zu ihm einmal — und bald — die Stunde der großen Erfüllung kommen müßte, und seine eigene Hoffnung setzte sich ihm zu einem Segnen der andern um, die festentschlossen zur Tat bängliche Sorgen niedertraten. Wie oft hörte ich von den „Glücklichen" sprechen, die ihre Ferien so reich erfüllen konnten. Es klang wie Freude und wie Neid zugleich; und war so "eigen untermischt von der Besorgnis, ob „Glück" nicht Stärke und Selbstvertrauen ist . . . Als wir an einem Freitag Abend — gefüllt mit den (symbolischen!) gefüllten Fischen, plaudernd in einer Ecke saßen und wir über^Lelewers Plan (aus einem zögernd-wachsenden Palästinafonds einen „Kundschafter" nach Kanaan zu senden) plötzlich hinaussticgen — jeder den andern erhitzend! — zu der Idee der Rucksackfahrt, da bekamen wir alle einen Schreck vor unserm Planen. Und Wir hatten Mühe, mit immer keckeren Phantasien die ernsten