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Der jüdische Student · 1913-01-28 · Heft 10 (28.1.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 10 (28.1.1913)
Date
1913-01-28
Page
[Seite] (sequence 40)
Language
German
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355 Der Jüdische Student in Bukarest studiert hat und auf Hebräisch zu sagen weiß: „Ich komme Dir einen Halben"—fühlt er zu seinem Schrecken, daß er dadurch allein aus der alten Haut des „Assimilanten" nicht herausfahren kann. Und wie ihm, so soll es vielen gehen. Sie alle haben schon immer die Köpfe zusammengesteckt und sind Hirschbruch dankbar, daß er endlich — aus ihrer Seele heraus — das große Fragewort gesprochen hat Sie sehnen sich alle nach dem lebendigen Judentum und erkennen gefühlsmäßig, daß man das Judentum erleben müsse. Um dieses Erlebnis zu gewinnen, macht Hirschbruch einige Vorschläge, die alle das eine gemeinsam haben, daß sie ihn und seinesgleichen wieder in ein inniges Verhältnis zu der nationalen und religiösen Tradition unseres Volkes bringen. Dieser Berührung mit der Tradition verleiht er die Kraft zu radikaler innerlicher Wandlung. Sein Sekundant A p t meint in No. 9 des J. St., dadurch werde das Judentum zur Selbstverständlichkeit; der so Gewappnete „brauche nicht mehr ein nach allen Regeln der Kunst und Wissenschaft ausgebautes System des Zionismus". Ich fürchte, daß dieses Rezept und weitere Rezepte solcher Art dem armen Kranken keine Heilung bringen, daß jene Medizin ihn in einen mit schönen Traumbildern ausgefüllten vorübergehenden Dämmerzustand versetzt, daß er aber beim Erwachen wieder ausrufen wird: „Da steh' ich nun, ich armer Tor —." . j- Wenn.ich mich "im folgenden mit den gleichen Dingen beschäftige, sö geschieht es nicht etwa aus dem Bedürfnis heraus, von Bundesbruder Königsberger abzurücken, der in einem Anfall von eigentümlicher Gereiftheit das ernste Ringen unserer Jungen mit einer verletzenden Gebärde abtut, sondern weil mich diese Dinge berühren und mich ein jüngst in der Wiener Jüdischen Zeitung erschienener Artikel von Adolf Böhm stark angeregt hat. Was ist es eigentlich mit dem Zustand der Selbstverständlichkeit in der jüdischen Existenz, der eines nach allen Regeln -der Kunst und Wissenschaft ausgebauten Systems des Zionismus ermangeln könne? Wenn ich Ä p t recht verstehe, will er damit sagen, daß die intensiv in der Erziehung durchgeführte Anlehnung an unsere religiös-nationale Vergangenheit genüge, um Juden zu züchten, die den Zionismus für ihr Dasein nicht

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