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Der jüdische Student · 1913-01-28 · Heft 10 (28.1.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 10 (28.1.1913)
Date
1913-01-28
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
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genug gekostet; unjüdisch, assimilantisch nannte man es auf der Gegenseite. Doch die Führer der „korporativen Richtung", erst die Zwirn und Rosenkranz, dann die Gründer der Maccabaea, ließen sich nicht abschrecken. Es war ihnen klar, daß nur so, mit diesen Formen als Grundlage, die große, straff disziplinierte studentische Organisation geschaffen werden könnte, wie sie der deutsche Zionismus braucht; daß diese Formen, durch das Auge des rein objektiven Beobachters gesehen, unjüdisch erscheinen könnten, in Wahrheit aber jüdisch sind, jüdisch insofern, als sie zur Erreichung unserer jüdischen Ideale eine conditio sine qua non bedeuten. So haben wir heute Kneipen, auf denen der alte deutsche Bierkomment herrscht, singen deutsche Lieder nach deutschen Studenten-und Volksliedmelodien, es herrscht im Korporationsleben Disziplin, Subordination — um nicht auch vieles andere „Unjüdische" zu erwähnen. — Auch den Satisfaktionsstandpunkt mit der Waffe billigen wir, trotzdem wir als Nationaljuden den mittelalterlich-germanischen Brauch ablehnen müßten. Wir billigen ihn nicht nur, sondern wir wirken sogar in der Erziehung unserer Füxe darauf hin, daß sie auf Beleidigungen unbedingt reagieren. Also auch zur Annahme dieser fremden Sitte oder Unsitte mußten wir uns — wohl oder übel — bequemen, weil sonst unser persönliches Ansehen als Akademiker in Frage gestellt wäre. Wir akzeptieren also den Ehr- und Sühnebegriff der deutschen Studenten nur der Not gehorchend, einfach deshalb, weil die andern unsere Höherkultiviertheit nicht begreifen und uns für Feiglinge halten würden. Assimilantisch wäre es erst, wenn wir innerliche Gründe für unseren Satisfaktionsstandpunkt anführten, z. B. nach Art der Deutschen an Wiederherstellung der gekränkten Ehre glaubten oder etwa aus Lust an der Sache selbst Händel suchten. — Warum haben wir nun nicht, wenn wir den Satisfaktionsstandpunkt vertreten, diesen Passus offiziell in unser Programm aufgenommen und warum werden wir es nicht tun können? L. Ke i I a r b e i t: Es ist der. große, gar nicht hoch genug zu bewertende Vorzug, den wir vor dem K. Z. V. haben, daß wir von den jungen Mitgliedern, die zu uns kommen wollen, nicht von vornherein verlangen, sich auf einen scharf präzisierten Standpunkt festzulegen, sondern die zweisemestrige Fuxenzeit

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