Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 10 (28.1.1913)
- Date
- 1913-01-28
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Judische Student 33;) deutung werden können. Was hier hervorzuheben ist, das ist, daß diese Dinge bisher, auch auf dem Kartelltag, nicht von Bedeutung für den B. J. C. geworden sind, und daß auch sie dem Kartelltag kein Charakteristikum zu geben vermögen. Denn einmal entbehrten die Ausführungen der Vertreter dieser Richtung jeder Klarheit und zeigten keinerlei deutliches Programm. Andererseits waren die Delegierten, die sich als Anhänger der angeblich neuen Gruppe bekannten, zum Teil mit ihren Hauptwortführern so wenig homogen, daß schon dieser Umstand erkennen läßt, wie wenig von einer Durchsetzung dieser Gedanken die Rede sein kann. Die Ablehnung der D a v i d s o h n sehen Thesen ist denn auch keineswegs als ein sachlicher Erfolg dieser Gruppe anzusehen. Die Thesen, gegen deren Inhalt kaum nennenswerte Bedenken bestanden, wie sich besonders in der Generaldebatte zeigte, wurden z. T. aus taktischen, z. T. aus' persönlichen, durchweg jedenfalls aus unsachlichen Gründen abgelehnt; die Stellungnahme der Delegierten war hier im wesentlichen von Gefühlsmomenten beeinflußt, die auf Vorgängen außerhalb des Kartelltages beruhten (Veröffentlichung, Verlauf des Kommerses). Keineswegs brachte die Abstimmung die sachlich übereinstimmende Meinung einer geschlossenen Mehrheit zum Ausdruck, die als Demonstration für die oben erwähnten Gedanken gedeutet werden könnte. Zu den wenigen Aktiyposten, welche die Bilanz des Karteiltages aufzuweisen hat, gehört die Behandlung der Ausländerfrage. Hier zeigte sich der ernste Wille, unserer nationalen Pflicht zur Unterstützung der jüdischen Studenten aus Rußland nachzukommen; allerdings hätte die Debatte mitunter etwas großzügiger se'in und die Anteilnahme sich in einer lebhafteren Stimmung äußern können. Schließlich ist noch als ein gewisser Fortschritt die Schaffung des „Kulturressorts" im Präsidium zu verzeichnen. Die Zentralisierung unserer sogenannten wissenschaftlichen Erziehungsarbeit in gewissem Umfange wird sicher eine stärkere Einheitlichkeit herbeiführen, eine größere und allgemeinere Vertrautheit mit dem Material verschaffen und zu manchen wertvollen Anregungen Anlaß geben. Auch bei dieser Gelegenheit zeigte . sich jedoch der Mangel in der Fähigkeit,