Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 10 (28.1.1913)
- Date
- 1913-01-28
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Judische Student 331 wird den Interessen seines Vaterlandes, dem er als Staatsbürger angehört, mindestens dasselbe Verständnis und dieselbe Liebe entgegenbringen wie derjenige, der sich seiner eigenen Abstammung schämt und sie zu verbergen sucht. Merkwürdigerweise wird dies fast nur von gewissen jüdischen Kreisen geleugnet, während viele vorurteilsfreie Christen, caiunter in nervo?ragender Stellung befindliche Gelehrte und Staatsmänner, volles Verständnis und lebhafte Anteilnahme an den Bestrebungen der nationaljüdischen Bewegung gezeigt haben. Patrioten sind begrifflich alle diejenigen, die ihr Vaterland lieben and sein Bestes fördern. Dies geht* auch aus den Worten des Kaisers hervor, die er 1902 in Posen sprach : ,,Das Königreich Preußen setzt sich aus vielen Stämmen zusammen, die stolz sind auf. ihre frühere Geschichte und Eigenart. Das hindert sie nicht, vor a'lem gute Preußen zu sein " Im Sinne dieses Kaiserwortes betrachten sich die Mitglieder des Bundes jüdischer Korporationen wie alle deutschen Juden nicht nur staatsrechtlich als Angehörige des Deutschen Reiches, sondern, auf deutschem Boden aufgewachsen, nehmen sie vollen Anteil an der deutschen Kultur und sind jederzeit bereit, an der Größe des deutschen Vaterlandes mit- . zuarbeiten und in Not und Gefahr nach Kräften für dasselbe einzustehen. Wenn der Bund jüdischer Korporationen also für die jüdische Jugend das positive Ideal aufgestellt hat, die Tradition des jüdischen Volkstums zu wahren, so kann er doch mit Recht behaupten, daß dieses nicht im geringsten Gegensatz zur deutschen Vaterlandsliebe steht. Daß weite Kreise der deutschen Juden nicht dieselben Vorurteile gegen den Bund jüdischer Korporationen hegen wie der Vorstand der Synagogen-Gemeinde Cöln, beweist die Tatsache, daß der Verband heute schon fast 700 Aktive und Alte Herren umfaßt. Dem Vorstand der Gemeinde aber schrieben wir folgenden Brief: 3. Januar 1913. An den Vorstand der Jüdischen Synagogen-Gemeinde Cöln. Sie berichtigen in No. 5 der Kölnischen Zeitung einen in derselben Zeitung erschienenen Bericht über den kürzlich in Cöln-abgehaltenen Kommers des Bundes Jüdischer Corporationen. In Ihren Ausführungen trifft lediglich zu, daß Herr Dr. Epstein nicht im Namen der Jüdischen Gemeinde sprach — er sprach für die Gäste —; natürlich sind wir für den.. mißverständlichen Bericht nicht verantwortlich. Unzutreffend wäre dagegen schon die von Ihnen erweckte Meinung, daß wir unsere Einladungen an Leute versandt hätten, die wir als unsere Gegner kennen mußten. Der B. J. C. hat bisher mit fast allen, insbesondere mit allen großen-jüdischen Oganisationen in freundschaftliche^ Beziehungen gestandeu; in Cölner offiziellen Kreisen entstand uns erst in letzter btunde durch eine bei Gelegenheit des Gemeindewahlkampfes einsetzende gehässige Agitation eine Gegnerschaft, welche sich nicht einmal auf eine wirkliche Kenntnis unseres bundes stüizte,; a "sondern lediglich? uf die Mitteilung einiger aus dem Zusammenhang gerissenen für Außenstehende garnicht verständlichen Sätze aus unserer •vertraulichen Zeitschrift. Der B. J.C, der nach seinem Programm der Sammelpunkt der jüdischen Studenten ist, die sich bewußt als Juden fühlen und an der Entwicklung eines lebendigen Judentums mitarbeit.n wollen, fünlt sich — ohne danach parteipolitisch festgelegt zu sein — allerdings als ein Kind der großen jüdischen. Kenaissancebewegung, die .eine der "Vergangenheit würdige Zukunft des jüdischen Volkes erhofft. Wenn Sie durch diesen Umstand oder durch die Tatsache, daß die . .Mehrzähl unserer Mitglieder in der Beschäftigung mit jüdischen