Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 10 (28.1.1913)
- Date
- 1913-01-28
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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330 Der Judische Student geringfügigen Irrtum benutzte der Vorstand der Cölner Synagogengemeinde zu folgender Erklärung, die in der Abendausgabe der Kölnischen Zeitung vom 2. Januar veröffentlicht war: Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde schreibt uns: „In der Abend-Ausgabe Ihres geschätzten Blattes vom 30. Dezember 1912 (Nr. 1454) steht ein Bericht über den zwölften Kartelltag des Bundes jüdischer Korporationen, der einer Berichtigung bedarf. Es ist schon nicht ganz zutreffend, wenn dort behauptet wird, der Bund jüdischer Korporationen habe seine Freunde und Anhänger zu dem in der Lese in Köln veranstalteten Festkommers eingeladen. Eine solche Einladung ist vielmehr weitesten jüdischen Kreisen, auch solchen, in denen die national-jüdischen Tendenzen des Bundes jüdischer Korporationen dem entschiedensten- Widerspruch begegnen, zugegangen, und auch der unterzeichnete Vorstand der Synagogengemeinde Cöln hat zu diesem Kommers eine Einladung erhalten. Die Mitteilung in Ihrem erwähnten Bericht, daß „Dr. Eckstein von der Cölner jüdischen Gemeinde" auf dem Kommers gesprochen habe, muß den Eindruck erwecken, als ob die Synagogengemeinde Cöln der an sie ergangenen Einladung des Bundes jüdischer Korporationen Folge geleistet und sich durch Dr. Eckstein habe vertreten lassen. Demgegenüber erklären wir hiermit, daß wir der Einladung des Bundes jüdischer Korporationen nicht Folge geleistet haben, weil wir die die deutschnationale Gesinnung der deutschen Juden bekämpfenden Bestrebungen des Bundes jüdischer Korporationen aufs entschiedenste mißbilligen. Ein Dr. Eckstein ist weder Mitglied des Vorstandes noch der Repräsentanz unserer Synagogengemeinde; es ist ausgeschlossen, daß er uns vertreten haben kann." Unsere öffentliche Antwort darauf stand in der Abend- Ausgabe vom 7. Januar: Der Bund jüdischer Korporationen. Das Präsidium des Bundes jüdischer Korporationen schreibt uns : Die Zuschrift des Vorstandes der Synagogengemeinde Cöln in Nr. 5 Ihrer geschätzten Zeitung gibt uns Veranlassung, Sie um Aufnahme folgender Zeilen zu bitten. Der Bund jüdischer Korporationen ist seinem Programm nach „der Sammelpunkt aller jüdischen Studenten, die sich bewußt als Juden fühlen und an der Entwicklung eines lebendigen Judentumsmitarbeiten wollen". Er fühlt sich, ohne hiernach parteipolitisch festgelegt zu sein % als Kind der großen jüdischen Renaissancebewegung des Zionismus, welche den Stolz auf die Vergangenheit und die nie ganz erloschene "Hoffnung auf eine würdige Zukunft des jüjischen Volkes wieder auf- . richten will. Da wir uns in diesem Sinne als nationaijüdische Korpo- " ration bezeichnen dürfen, fühlen.wir uns verpflichtet, auf den in der Erklärung des Genieindevorstandes enthaltenen Vorwurf unpatriotischer G e s i n n u n g prinzipiell zu erwidern. Unter Nationalgefühl" verstehen wir das freudige Bewußtsein, vom Volke der Bibel abzustammen, das hierauf begründete Gefühl der Zusammengehörigkeit mit den Juden aller Länder und die hieraus erwachsene Verpflichtung, an einer glücklichen Zukunft derselben gemeinsam zu arbeiten. Es liegt nicht der geringste Grund vor, anzunehmen, daß diese Bestrebungen in irgend einem Gegensatz zu deütschnationalen Interessen stehen können. Grundfalsch ist es daher, daß nationales Judentum und deutschpatriotische Gesinnung unvereinbar seien. Jeder Jude, dem seine eigene Nationalität lieb und teuer ist,