Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 8 (26.11.1912)
- Date
- 1912-11-26
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 269 behandelnde Disziplin hat, die Repräsentanten der verschiedenen Richtungen im Judentum, die berufenen Arbeiter über die verschiedenen Seilen und Probleme der Judenfrage (Assimilation, Zionismus, Sprachproblem, Erziehung, Ghetto, liberales Judentum, Orthodoxie etc.) handeln werden. Wie starke Wirkung von solch einem zusammenfassenden Handbuch ausgehen würde, nicht bloß wissenschaftliche, sondern vor allem eminent politische, das weiß jeder, der gelernt hat, wie aus streng wissenschaftlichen Werken techniscner, naturwissenschaftlicher, nationalökonomischer (ich erinnere an die Kathedersozialisten) und anderer Forschung die Gedanken ins Leben unterirdisch oder offenkundig . hinübergelangt, es langsam oder eruptiv umgestaltet haben; weil der neue Geist die Menschen erfüllte; aber erst müssen solche Werke geschrieben sein, die eine Zeit vielleicht zu Ende denken. 5. Institut Herausgewachsen aus dem, was ich unter Rubrik e. des Archivs als Arbeitszentrale bezeichnet habe, entspricht es — ein Zukunftstraum, und ich skizziere es nur zur Vervollständigung dieser Gedankengänge — etwa den Instituten, wie sie jetzt für die verschiedenen Fächer neben den Universitäten mit spezifischer Beschränkung auf ein Fach, aber mit möglichster m Aussicht auf Vollkommenheit errichtet werden. Ich verweise für den Aufbau auf die einschlägigen Berichte und Vorschläge, die Rathenau und Lamprecht, Harnack und Ostwald gemacht haben und die vielen, die in letzter Zeit als private Mäcene die Errichtung solcher Institute, in denen Vorlesung und Uebung, Material und Ausstellung, Bibliothek und Museum und all der Apparat, der zur Ergründung und Beherrschung eines Faches gehört, gefordert und gefördert werden. Aber die Pläne und Stoffe dafür lege ich mit all ihrem berauschenden und verwirrenden Gedränge von —wie ich sie sehe —. leicht durchführbaren Möglichkeiten ebensowenig vor, wie die Pläne für eine Organisation der um das Archiv gruppierten Interessenten, einer Gesellschaft zur Diskussion der Judenfrage. (Ich erinnere an juristische Vereinigungen mit ihrem Organ oder, mit anderem Gehalt, an die Görres-Gesellschaft mit ihrer weitverzweigten Arbeitsteilung oder die Kathedersozialisten "resp. den Verein für Sozialpolitik u.v.a.) Diese Gesellschaft würde als innerlich zusammengehörige, durch ein Grundmotiv ihres Lebens und ihres Strebens, ihrer Tendenz zusammengehaltene Gemeinschaft, wie sie naturgemäß aus oder neben dem Archiv emporwachsen wird, als geistiger Areopag, ein Futuro in Herzls Sinne, die Angelegenheiten unseres Volkes nicht regeln aber bewerten, nicht kontrollieren aber erhöhen und uns in uns und vor anderen zur stärksten Entfaltung unseres Könnens bringen. Das alles gehört — ohne Verbindlichkeit und ohne Vollständigkeit — zur Organisierung der auf die Judenfrage bezüglichen