Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 6 (20.9.1912)
- Date
- 1912-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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zugeht und wie wir uns wirklich fühlen? Wer für den J. St. schreibt, der muß das gleiche Gefühl haben, als ob er einen vertraulichen Brief schreibt: warm und ehrlich soll er schreiben. Der müßte ja ein Narr sein, der am V. J. St. verzweifelte, wenn er einen oder ein paar pessimistische Berichte liest. Was will das sagen! Und die Chargierten mögen nur überzeugt sein, daß man ihnen auch Mißgriffe verzeiht; sie sind doch meist noch so jung. Nur darauf kommt es an, daß man merkt : hier spricht ein Bundesbruder, der es gut und ehrlich meint. Dann kann er ruhig sagen: aus den und den Gründen ist bei uns jetzt nichts los, aber wir denken doch, es kann besser werden.. Oder wenigstens soll der Berichterstatter, wenn er nichts Gutes berichten kann und etwas Ungünstiges verschweigen muß, sich damit begnügen, zu registrieren; z.B. der Fuxenunterricht ruht in den Händen von Bbr. X.Y., und soll sich das „bewährten" schenken. Also: zu Berichterstattern Leute aussuchen, die schreiben können und Urteil haben — Chargierte oder Nichtchargterte erscheint mir egal—, Kontrolle des Konvents über die Berichte, und Ehrlichkeit! — Wir wollen nun sehen, was bei diesem Rezept im nächsten Semester herauskommen wird. — Wissenschaftliche Artikel von Bundesbrüdern würde* der J. St., wie ich ihn kenne, recht gern bringen, und es schweben sogar aussichtsreiche Verhandlungen mit einigen Alten Herren. Aber was kcinn ich tun, wenn sie nachher ihre Produkte lieber in besser zahlenden Blättern unterbringen? Also an mir Hegt es nicht, und die Manuskripte mögen nur eingesandt werden. An den Bezirksverband Hamburg!- Liebe Btmdesbrüder! Ich bitte Euch es mir nicht übel zu nehmen, wenn ich an die so vergnüglich verlaufene Hamburg-Fahrt, zu deren Gelingen Ihr wesentlich beigetragen habt, einige ernste Worte knüpfe. Mein längerer Hamburger Aufenthalt im Frühjahr dieses Jahres sowie die Beobachtungen bei meiner jüngsten Anwesenheit führen mich leider zu dem Schlüsse, daß Ihr imHamburger jüdischen Leben nicht dieRolle spielt, die Ihr EurerMasse undsozialen-Stellung nach spielen müßtet. Von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, steht Ihr außerhalb der jüdischen Arbeit.