Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 6 (20.9.1912)
- Date
- 1912-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student Monatsschrift des Bundes Judischer Corporationen 9. Jahrg. Berlin, 20. September 1912 No. 6 Die erzieherische Aufgabe des deutschen Zionismus Von Moses Calvary, Oberlehrer in Crossen a. O, Dieser Aufsatz ist zuerst 1911 in der „Welt" erschienen, und für den „Jüdischen Studenten" jetzt vielfach erweitert. Ich habe mich bemüht, die ursprüngliche Fassung möglichst im Wortlaut beizubehalten, obwohl, oder weil ich viele Fragen ganz anders stellen würde, wenn ich heute von frischem an das Thema heranginge. I Der Judenstaat Theodor Herzls fand die deutschen Juden mangelhaft vorbereitet. Als er erschien, hatten sie sich von dem Schrecken des jungen „politischen" Antisemitismus noch nicht erholt und waren eifrig dabei, dessen Folgen in Vereinen, Zeitschriften, Agitationen von sich abzuwehren. Die Vereine für jüdische Geschichte und Literatur suchten in regem Betrieb massenhaftes Einzelwissen zu verbreiten, meist mit apologetischer Tendenz, ohne wissenschaftliche Orientierung, im Bewußtsein befriedigten Bildungseifers. Jüdisches Innenleben zeigte sich nur in den religiösen Kämpfen. Neben der großen Masse der religiös Gleichgültigen die Orthodoxie auf der einen, die Anhänger eines positiven religiösen Liberalismus auf der andern Seite. Das sieht nach Kampf aus und war es auch, — aber es bedarf gar nicht des Hinblicks auf jene gemeinsame Tätigkeit in der Abwehr und der Vereinswissenschaft, um zu sehen, wie einheitlich die psychologische Struktur der Juden war, auch der religiösen Gegner. II ' Orthodoxie und Liberalismus hatten nicht nur dieselbe Problemstellung, sie gaben auch ganz verwandte Lösungen des Problems — beide beeinflußt, um nicht zu sagen bestimmt, durch die .Kämpfe der Emanzipationszeit. Das Problem ihres Lebens war der Gegensatz von Religion und moderner Kultur. Die Liberalen erklärten stolz, daß das Judentum die eigentliche Weltreligion sei, man brauche es nur ein wenig zu entjudaisieren. Die Orthodoxie erkannte entweder einen Gegensatz von Religion und Wissenschaft überhaupt nicht an — beides seien Kreise, die sich niemals schnitten — oder sie gab die Parole aus: Thora im derech erez- ^IDDH n*3 Wona^Km ö % i> & n *