Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 5 (20.8.1912)
- Date
- 1912-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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176 Der Jüdische Student nähme unterstellt wird. Wir brauchen Ihnen daher nicht erst zu versichern, daß irgend eine Aeußerung unsererseits, die sich über den V. J. St. oder einzelne V. J. St.-er tadelnd ausspricht, dem K. C. nicht zugegangen ist. Eine derartige Handlungsweise von unserer Seite wäre schon deshalb unmöglich, weil sie der traditionellen Freundschaft zwischen B. J. C. und K. Z. V. nicht entsprechen würde. Vielmehr entspricht es — wie Sie wissen — unseren Gepflogenheiten, irgendwelche Fehler, die seitens jüngerer, unverantwortlicher Mitglieder unserer beiden Verbände bei dem Wettbewerb um deu Nachwuchs zuweilen gemacht werden, stets durch Verständigung der beiderseitigen Präsidien in freundschaftlicher Weise aus der Welt zu schaffen. Nichts würde uns ferner liegen, als einen dritten Verband, der seiner Tendenz nach außerhalb unserer nationaljüdischen Anschauungen steht, mit der Wahrnehmung unserer Interessen dem B. J. C. gegenüber zu betrauen. Mit jüdischem Gruß Das Präsidium des Kartells Zionistischer Verbindungen Dr. Wollstein Dr. Walter Fischer Diese ärgerlichen und kleinlichen Auseinandersetzungen mit dem K. C. sind hiermit für uns erledigt. Zu einer sachlichen Debatte, in der der K. C. vorerst begründen mag, was er unter „Judentum" versteht und mit welchen Mitteln er der fortschreitenden inneren und äußeren Zersetzung des Judentums Einhalt tun will, wird er uns immer bereit finden. Im übrigen brauchen wir kaum zu versichern, daß wir, überzeugt daß der Kampf gegen die äußeren Feinde und die Notwendigkeit der Scbärfung des jüdischen Solidaritätsgefühls die Einigkeit aller Juden erwünscht erscheinen lassen, uns nur dann gegen eine andere jüdische Organisation wenden werden, wenn wir deren Tätigkeit als dem wohlverstandenen jüdischen Gesamtinteresse schädlich ansehen. Dies ist der Fall bei Organisationen, die ihren Mitgliedern an Stelle der zusammengebrochenen alten jüdischen Lebensinhalte nichts anderes zu geben wissen als den dürftigen Ersatz des „Kampfes um die Emanzipation", dem wir den menschenbildenden Wert absprechen müssen. — Gestärkt und ermutigt geht der B. J. C. dem neuen Semester entgegen. In diesem wird zum ersten Male das Rheinland eine größere Zusammenfassung der B. J. C.-Kräfte auf unserem voraussichtlich um die Jahreswende in Bonn stattfindenden XII. Kartelltag sehen. Ihn werden jüdische und organisatorische Fragen beschäftigen, hoffentlich wieder zumNutzen des B. J. C. Im August 1912 Das Präsidium Dr. Erich Rosenkranz, Berlin Vorsitzender