Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1912-03-26 · Heft 12 (26.3.1912) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 12 (26.3.1912)
Date
1912-03-26
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3537599-3537691-3537703--2287-3540409
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

418 Der jüdische Student Ein Beschluß des Schlußkonvents bestimmte: Der §17 des Bonner Vereinsstatuts erhält folgenden Absatz 4: „Die Chargierten werden von dem Antrittskonvent interimistisch gewählt. Die endgültigen Wahlen finden in der vierten Woche nach dem Antrittskonvent statt." Semesterbeginn: Dienstag, 16. April, nachm. 2 h. ct. Kaiser-Cafe. Unsere Briefablage ist nur noch Kasernenstr. 19. Personalia: Ein E. R. sprach die Bbr. Manko und Mendel vom Vorwurfe der Disziplinwidrigkeit frei. — Ein von Bbr. Stiel gegen sich beantragter E. R. erkannte auf eine Rüge wegen Unbundesbrüderlichkeit. — Albert Eisberg, früherer Marburger I. A. B., wählte Bonn zum Stammverein. — Ernst Lyon wurde Inaktiver von Bonn. 7. März G i d i o n Heidelberg. Ruhiger als es begonnen, ging das Semester zu Ende. Es mußte eine Ruhepause eintreten, denn der Anfang war schwer, fast zu schwer für die kleine Aktivitas. Trotzdem glauben wir, bei der Vorbereitung des kommenden Sommersemesters nichts versäumt zu haben. Wir wissen, auf welche Weise wir uns jüdisch zu betätigen haben, und wir sind ebenso vertraut mit den ortsüblichen studentischen Gebräuchen.. Nachdem die Arbeit innerhalb der Korporation nachgelassen hatte, wurde sie bald umso reicher nach außen hin entfaltet, um die hiesigen assimilantischen Kreise etwas aufzurütteln; denn eine jüdische Versammlung ohne die Arbeit des V.J. St. ist hier undenkbar. Als A. H. Blumenfeld hier durch seinen glänzenden Vortrag über „Zionismus und Assimilation" die Assimilanten geärgert hatte, taten wir das noch mehr, indem wir an den Anschlagesäulen eine öffentliche jüdische Versammlung anzeigten, ähnlich geschah es bei dem Vortrage von Dr. Schemarja Lewin in Mannheim über „Die Tragödie des jüdischen Volkes". Man ist wütend und vermutet hinter diesen „antisemitischen" Umtrieben natürlich den V.J. St., der unbedingt verschwinden muß. Auch von Mathias A c h e r hörten wir in Mannheim einen Vortrag über „Die Juden in Amerika". Innerhalb der Korporation hielten Vorträge: Bbr. Winter über die Lage der Juden im Mittelalter und Bbr. Großb e r g e r über die Kunstgewerbeschule Bezalel. Man könnte glauben, daß wir uns durch diese angestrengte Tätigkeit die Freuden des studentischen Lebens hätten versagen müssen. Nun, wer würde sich hier im schönen Heidelberg, „wo zwischen grünen Bergen munter des Neckars klare Woge rauscht", abhalten lassen, und sei es im Mondenschein, geseilige Ausflüge zu machen, um in den griechischen Weinstuben Neckargemünds oder in den gastlichen Restaurants von Neckarsteinach sich zu erfrischen? Diese gemeinsame Arbeit und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.