Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 11 (29.2.1912)
- Date
- 1912-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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386 Der jüdische Student Der Geschäftsführende Ausschuß des K C. hat es nicht für nötig gefunden, das Heft des Jüdischen Studenten zurückzugeben. Als Antwort auf unser letztes Schreiben druckt er vielmehr in der neuesten Nummer der K- C-Blätter einige Sätze aus dem Artikel von Bundesbruder Dr. B a e r „Ueber die Entwicklung des K C.u ab. Wir glauben, daß dieses Vorgehen des K. C. zur Erhöhung des Ansehens der jüdischen Studentenschaft wenig beitragen wird. Der Abdruck aus den geheimen Mitteilungen einer fremden Korporation muß von jedem Billigdenkenden als eine Verletzung akademischer Sitten entschieden verurteilt werden. Dabei ist es gleichgültig, ob die publizierten Stellen an sich diskreter Natur sind oder nicht. Mit solchen Mitteln bekämpfen sich politische Parteien, wenn die Leidenschaft der Wahlagitation alle Zügel gelockert hat; im akademischen und gesellschaftlichen Leben sind diese Sitten verpönt. Die Kenntnis dieser Vorgänge ist erforderlich, weil sie einen guten Maßstab für die Beurteilung der von dem K C. veröffentlichten Erklärung abgeben. Der K C. wendet sich gegen den Artikel von Bbr. Baer und behauptet: Der B.J. C. predige einen systematischen Kampf gegen den K C. Dieser Kampf sei aus Leidenschaft und Fanatismus begonnen. Das Ziel des K. C. dagegen sei es von jeher gewesen, Einigkeit und Würde im Judentum und unter der akademischen jüdischen Jugend zu erhalten, „im Interesse des Friedens und des Ansehens der jüdischen Studentenschaft". Was von dieser Behauptung zu halten ist, wissen wir allerdings nicht erst seit diesem neuesten Zwischenfall. Seit dem K C-Tag vom Jahre 1909 steht es für uns fest, daß dem K C. an dem „Frieden und Ansehen der jüdischen Studentenschaft" nichts gelegen ist. Der Geschäftsführende Ausschuß des K C täte gut, an diese Vorgänge nicht zu rühren: denn der K C. hat alles jüdische Solidaritätsgefühl vermissen lassen, als er es seinerzeit auf unsere Beschwerde ablehnte, gegen die K C.¬ Verbindung Ghibellinia in Freiburg einzuschreiten, die grundlos über unsere dortige Kartellkorporation den schweren Waffenverruf verhängt hatte. Damals hat der K C. es für unerheblich gehalten, daß eine jüdische Verbindung einer anderen vor einer Korona christlicher Korporationen die Waffenehre streitig machte!