Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 11 (29.2.1912)
- Date
- 1912-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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374 Der jüdische Student Verein Jüdischer Studenten a.d. Universität München (im B.j.c.) Farben: Blau-weiß-gelb Kneipe; Bayerstr. 67, Briefablage: Cafe Luitpold Wir eröffneten das Semester mit einer Corona von 14 Inaktiven, 5 Aktiven und 7 Füxen. Auf dem Antrittskonvent am 23. Oktober v. Js. wurden die Chargen folgendermaßen besetzt: ehem. Erwin Brand X iur. Emil T h a 1 m a n n XX F. M. ing. Fritz Lustig F.W. iur. John Levy K.W. Den Tendenzunterricht erteilte den Füxen Brand, den Kommentunterricht der Fuxmajor. In den A. C. nahmen wir sieben Füxe neu auf, ein Ergebnis, das befriedigend genannt werden kann. Für die jüdische Fortbildung der Burschen sorgten Vorträge und Referate, von denen folgende genannt seien : von Bbr. Schüler über Jüdische Kunst, „ „ Katzenstein über die Regeneration des Judentums, „ A.H. A. Friedmann über Palästinafragen, „ Prof. Dr. Cohen über Jüdische Statistik, ferner ein von Herrn Professor Dr. Cohen in Verbindung mit Herrn Dr. Feuchtwanger und A. H. h. c. Dr. E. Straus geleitetes jüdisch-statistisches Seminar. Wir danken den Leitern dieses Seminars auch hier nochmals herzlichst für ihre, wie wir glauben, mit Erfolg aufgewendete Mühe. Selbstverständlich besuchten wir den Vortrag von S o m b a r t über „Die Zukunft der Juden", der die Münchener jüdischen Kreise in die lebhafteste Aufregung versetzte. Wir entnahmen dem Vortrag mit Befriedigung, daß sich die Ideen des modernen Judentums, die wir auch die unseren nennen, allmählich durchzusetzen beginnen und vor der ernsten Prüfung der Wissenschaft standhalten. Unser äußeres Vereinsleben gewann außerordentlich an Gemütlichkeit, nachdem wir unsere neue, sechs Zimmer umfassende Wohnung bezogen hatten. Der Oberwerkführer der Vereinigten Werkstätten lieferte uns eine ebenso praktische wie künstlerisch befriedigende Einrichtung. Den Bundesbrüdern, insbesondere auch den Alten Herren, die uns durch so reiche Beihülfen die Durchführung dieser Neueinrichtung ermöglichten, sind unseres Dankes sicher. Daß gesellschaftlich der Münchener Winter genug an Abwechslung und Unterhaltung bot, braucht hier nicht versichert zu werden; ebensowenig, daß wir uns nichts davon haben entgehen lassen. Dem Sommersemester, für das uns wieder eine stattliche Zahl von Bundesbrüdern avisiert ist, gehen wir mit guten Aussichten entgegen.