Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 11 (29.2.1912)
- Date
- 1912-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student nirgends wird eine so erbarmungslose, scharfe Kritik geübt wie auf dem Wasser, und stärker als anderswo muß bei uns das Gefühl der Verantwortlichkeit sein. Denn unähnlich jenen jungen Juden der hellenischen Assimilationsperiode, tragen wir stolz unser Judentum zur Schau, und am Heck unserer Boote weht die blau-weiß-gelbe Flagge mit dem Davidsschild. In diesem Geiste gegründet, hat die Ruderabteilung vier Sommer hindurch ihre Erziehungsarbeit geleistet, und ihre Arbeit war nicht verloren. Zahlreiche Bundesbrüder sind unter der Einwirkung der Ruderabteilung zu sehnigen, strammen jungen Männern geworden, an denen nichts mehr an den bleichen Mulus von ehedem erinnert. Sie alle haben neben dem Bewußtsein, Erziehungsarbeit im besten Sinne an sich erfahren zu haben, die köstliche Erinnerung an Stunden der Freundschaft und reiner Freude an der Natur. — Die Ruderabteilung hatte im vorigem Sommer seit ihrem Bestehen die höchste Mitgliederzahl aufzuweisen. Wir hatten 23 aktive Ruderer, davon 13 Junioren. Im Frühjahr bildeten wir unsere Junioren, soweit sie bereits vor Semesterbeginn in Berlin waren, im Kasten des Passagebades aus. Der eigentliche Ruderbetrieb begann infolge der günstigen Witterung schon ziemlich früh. Am 26. Febiuar 1911 setzten wir das erste Boot ins Wasser, wenige Wochen später machten wir unsere erste Lagerfahrt. Während des ersten Teils des Semesters leitete Fritz Schlesinger die Abteilung, da die traditionellen „Großadmirale" Kretschmer und J a c o b i in Examensnöten steckten und erst im Juni resp. Juli wieder an seine Steile traten. Im Anfang litten wir daran, daß wir im Verhältnis zu unserer Mitgliederzahl über zu wenig Bootsplätze verfügten, ein Mangel, der erst durch Fertigstellung unseres neuen Vierers behoben wurde. Recht intensiv wurde der Betrieb in den großen Ferien durchgeführt, obwohl ein Teil der Bundesbrüder Berlin schon verlassen hatte. Das Sommerfest des B.J.C. Berlin besuchten wir mit fünf Booten und verbanden mit diesem Fest auch die Einweihung unseres neuen Vierers „ H a t i k w a h ". Am 29. Oktober war der offizielle Saisonschluß. Den Winter hindurch nahm die Ruderabteilung offiziell am Korporations- Turnen teil. Das Kastenrudern findet in diesem Jahr wie bisher in Gemeinschaft mit dem jüdischen Ruderklub „Ivria"