Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 11 (29.2.1912)
- Date
- 1912-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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365 Jungens zu geben im Stande ist. Die straffe, militärisch rauhe Disziplin, welche die Seele eines solchen Zusammenschlusses bildet, bringt in den jungen Ruderern Eigenschaften zur Entfaltung, wie die Korporation sie für ihre Mitglieder wünschen muß, die aber wohl kaum durch ein anderes Mittel besser anerzogen werden können. Es lehrt uns Manneszucht, gegenseitige Anpassung verschiedener Individualitäten, sorgfältig gefügtes Zusammenwirken vieler Anstrengungen zu einem einzigen gemeinsamen Ziele. Darum hat es einen ganz besonderen erzieherischen Wert für uns Juden, besonders für unsere intellektuelle Jugend, die dem Schulzwang entronnen in die Freiheit des akademischen Lebens hinaustritt und nun in jeder Unterordnung unter einen fremden Willen gar zu gern etwas Unwürdiges und eine Unterdrückung der eignen Persönlichkeit sieht. Oerade in der Ruderabteilung aber heißt es, den eignen Willen einer anderen, aber selbstgewählten Macht unterzuordnen, nicht um die eigne Persönlichkeit zu unterdrücken, sondern um durch die besten Mannestugenden: Selbstzucht und Disziplin, die Individualität erst recht zur schönsten Blüte zu bringen. Bei unzähligen Gelegenheiten ist es dem einzelnen möglich, seine Selbstzucht und seinen Korpsgeist Lzu zeigen und zu beweisen : sei es, daß er in erbittertem Match gegen fremde Farben sein Aeußerstes hergibt, um der eignen Mannschaft zum Siege zu verhelfen, mit dem festen Vorsatz, lieber zusammenzubrechen, als sich ohne Gegenwehr schlagen zu lassen, — sei es, daß er in aufopfernder Kameradschaftlichkeit nach erschöpfender Tagesleistung im Biwak dem schwächeren Kameraden seinen Arbeitsteil abnimmt, oder sei es, daß er bei kritischen Situationen im Kampfe gegen Wind und Wellen die egoistischen Reflexe zur Rettung der eignen Person unterdrückend, sich in blindem Gehorsam der Leitung des Steuermanns fügt, durchdrungen von dem Gefühle der Verantwortlichkeit für die ganze Mannschaft. Soll schon die Korporation uns V. J. St.-er zu dem Bewußtsein erziehen, daß nach unserem Tun und Lassen nicht nur wir selbst, sondern unsere Korporation und in weiterer Verallgemeinerung unsere Volksgemeinschaft beurteilt werden, so gilt dies in ungleich verstärktem Maße von dem Verhalten unserer Mitglieder auf dem Wasser. Nirgends stehen sie und ihre Leistungen so unter der Kontrolle der Oeffentlichkeit,