Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1912-02-28 · Heft 11 (29.2.1912) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 11 (29.2.1912)
Date
1912-02-28
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3537599-3537691-3537702--2200-3540321
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

336 Der jüdische Student bürger jüdischen Glaubens". In der Zeit also, in der alle großen europäischen Religionen die ersten Zeichen des Verfalls zu zeigen begannen, verschoben die Juden die Grundlagen ihrer Existenz und konstruierten sie sich als Glaubensgemeinschaft! Diese grauenhafteVerkennung einer historischen Situation trägt die Schuld an dem Auflösungsprozeß, den wir jetzt vor uns sehen; sie bewirkte dieZerstörung jedes charakteristischen Inhalts desJudentums. Historische Prozesse sind allerdings nicht zu loben oder zu tadeln; aber sie können beeinflußt werden* Und sie müssen beeinflußt werden, wenn man das Ziel, zu dem sie führen, nicht herbeiwünscht. Es ergeben sich dann aus ihnen politische Forderungen. Es soll hier nicht mit allen jüdischen Organisationen darüber gerechtet werden, inwieweit ihre Programme den richtigen politischen Forderungen entsprechen. Es handelt sich hier für uns V. J. St.-er zunächst um die Arbeit in der jüdischen Studentenschaft, an die wir mit politischen Forderungen herantreten. Und hier haben wir eigentlich nur mit einer Organisation abzurechnen, die sich neben uns mit einem gewissen Erfolg um die jüdische Studentenschaft bemüht. Es ist der K. C. Sein Name „Kartellconvent derTendenzverbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens" besagt, daß er ein rechtes Kind jener judentumszerstörenden Entwicklung des 19. Jahrhunderts ist, die oben in ihren Grundzügen skizziert wurde. Er will die jüdischen Studenten auf religiöser Basis organisieren, allerdings ohne daß er sich dabei um ihre religiösen Überzeugungen kümmert, und so bewegt er sich in dem komischen Widerspruch, in den jede jüdische Organisation gerät, die, um sich der Gleichberechtigung würdig zu zeigen, es unternimmt, den nationalen Zusammenhang der Juden zu leugnen. Immerhin soll, trotz dieses fundamentalen Programmfehlers — es ist mehr als ein Fehler! — nicht verkannt werden, daß an sich schon, unter jeder Aufschrift, der Zusammenschluß von Juden zu begrüßen ist. Mögen sie sich Studenten jüdischen Glaubens nennen — die Tatsache, daß ihnen der Glauben wenig bedeutet, beweist, daß im Grunde, ihnen unbewußt, sie etwas ganz Anderes zusammenführt Auch sie leitet der nationale Instinkt, wenn sie sich auch bemühen, ihn zu verleugnen und auszurotten, und sie erkennen nicht, daß jedes exklusive Zusammensein von Juden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.