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Der jüdische Student · 1912-02-28 · Heft 11 (29.2.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 11 (29.2.1912)
Date
1912-02-28
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Der Jüdische Student Monatsschrift des Bundes Jüdischer Corporationen 8. Jahrg. Berlin, 29. Februar 1912 No. 11 Zwei Programme Wenn man den Wert einer unserer jüdischen Organisationen für das Judentum feststellen will, so muß man sie auf die Frage hin prüfen: Was leistet sie für die Erhaltung des Judentums? Wer so fragt, der spricht gleichzeitig ein historisches Urteil aus, nämlich daß die Existenz des Judentums in Frage gestellt ist, daß das Judentum heute den Kampf um Leben oder Tod kämpft. Auf dieser historischen Erkenntnis basiert der V.J. St, aus ihr leitet er seine Existenzberechtigung her. Wer sich vorurteilslos mit der jüdischen Geschichte der letzten anderthalb Jahrhunderte und mit der jüdischen Gegenwart beschäftigt hat, der weiß, daß dieses Urteil über die Situation des jüdischen Volkes richtig ist. Taufe und Mischehe sind die bekanntesten und krassesten, und doch nicht einmal die gefährlichsten Symptome des Auflösungsprozesses, denn sie greifen das Judentum numerisch noch nicht übermäßig an; Zustände wie in Berlin und Hamburg, wo fast die Hälfte aller von Juden geschlossenen Ehen Mischehen sind, sind immer noch nicht die Regel. Schlimmer wirkt die Beschränkung der Kinderzahl in den jüdischen Ehen — in absehbarer Zeit werden die deutschen Juden durchweg bei dem Zweikindersystem angelangt sein, ihre Zahl also abnehmen — und die körperliche und geistige Degeneration. Der Keim des Todes aber liegt in der Zerstörung der jüdischen Lebensinhalte und des jüdischen Solidaritätsbewußtseins. Unsere Urgroßväter und zumeist auch noch unsere Großväter sind „fromme Juden" gewesen. Sie beobachteten die jüdischen Ritualien und führten ein abgeschlossenes religiöses Dasein. Das Judentum als Religion bot ihnen alles, was ihre jüdische Persönlichkeit brauchte, und es war der Schwerpunkt ihres Daseins. Wir alle kennen noch diese patriarchalischen

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