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Der jüdische Student · 1911-12-15 · Heft 9 (15.12.1911) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 9 (15.12.1911)
Date
1911-12-15
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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284 Der jüdische Student als Erkenntnis kein Endziel, sondern nur die notwendige Grundlage zu weiterem. Wir sind erwacht, wir sind sehend geworden, wir sind uns unserer Lage, der Lage des jüdischen Volkes, bewußt geworden. Wir sind nicht anders, nicht neu geworden, wir sind zu der Erkenntnis dessen was ist gekommen. Zionismus ist nur die Form eines Inhalts, der aus dem Unbewußten in den Kreis des Bewußten tritt. Zionist werden ist nichts als e n Sich-auf-sich-selbst-besinnen. Nur der lange Kampf um die Einheitlichkeit der Arbeits-Grundlage im B. J. C. konnte vergessen lassen, daß jetzt erst richtig die Möglichkeit beginnt, uns jeden einzelnen für die jüdische Nation so wertvoll zu machen wie möglich. Diese weitere Hauptarbeit ist: Erziehung, in einem sehr ernsten Sinne* (Welche Torheit, gegen das Wort: der B. J. C. als „Erziehungsanstalt", zu eifern! Allerdings, wir wollen uns und andere: erziehen. Mancher scheint dabei nur an Rohrstock und krumme Rücken zu denken.) Emil C o h n hat in seinem Aufsatz ,Jüdische Erziehungsprobleme" einiges darüber gesagt. Nur schien mir dieser Artikel schon beim Erscheinen antiquiert. Diesen Typus, der dort gezeichnet wird, haben wir denn doch längst überwunden. In Wahrheit liegen die Dinge viel tiefer und sind viel niederdrückender. Unser Blut ist verseucht. Das ist es. Es kann auch nicht anders sein. Ungezählte Jahrhunderte, Jahrtausende der Knechtschaft und Schande müssen ihre tiefen Spuren hinterlassen haben. Wir sind ja nur Ufer, in denen es rinnt von Vergangenheit zu Zukunft. Knechtschaft, Schande — die Worte gehen uns leicht vom Munde, wir singen sie, und denken kaum noch das Ungeheuerliche, das sie bedeuten: den Hund mit hündischen Gedanken, den Sklavenhaufen. Aus hundert Ghettoliedern der Gegenwart stöhn» und seufzt es, gedrückt, beklemmend, atemraubend. Die schlimme Lüge von der „ruhmvollen Geschich e unserer Väter"! Sie ist schmachvoll. Den alten Schülerstandpunkt, daß Ehre nur durch eigene Schuld, nicht auch von außen her verletzt werden könne, haben wir ja wohl alle seit langem verlassen, und empfinden jeden Eingriff in die Integrität der Persönlichkeit als beschimpfend. Und die Wirkung wehrlos ertragener, demütig hingenommener Beschimpfung ist immer: eine verkümmerte, würdelose Sklavenseele. Für Volkspersönlichkeiten gilt nichts anderes. Das jüdische Volk lebte Jahrhunderte im Schimpf. Und wir, die wir „emanzipiert" werden mußten? Wir fühlen die Schlacken des Golus deutlich in uns. Wer hätte nicht die Unreinheit seines Bluts schmerzhaft empfunden. — Zwar die äußerliche auffälligste Schicht ist beseitigt. Der Tyrdes neuen Juden, dessen Merkmal vielleicht sein Zionismus isp sind w i r. Darüber hinaus hat uns unsere zionistische Et,

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