Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 8 (24.11.1911)
- Date
- 1911-11-24
- Page
- [Seite] (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student 267 solut nichts los; zu größeren Vorträgen erscheinen meist ältere Leute; es gibt dann noch ungefähr zehn jüngere Mitglieder, die stramme Antizionisten sind; diese haben aber keinen blassen Schimmer von jüdischen Dingen und beteiligen sich meist in der „Vergnügungskommission". Der Vorsitzende ist übrigens auch Zionist: Apotheker Beermann, ein früherer K. Z. V.-er, jetzt unser Annex. Während früher von einer Betätigung der K. C.-er nichts zu merken war, haben sie in letzter Zeit angefangen, sich ebenfalls energisch zu betätigen, selbstverständlich antizionistisch. Gegenwärtig sind von ihnen in Stettin: ein Rechtsanwalt, der sehr eifrig sich betätigt, und drei Referendare; in den Ferien kommen drei Aktive dazu; ihre Keilaussichten sind, da die Stettiner Jugend jüdisch genau so indifferent ist wie das Alter, besser als die unserigen. Vor kurzem hielt ein K. C.-er im „Israelitischen Knabenverein", in dem Lehrlinge und Schüler sind, einen Vortrag über „Die kaufmännischen und studentischen Organisationen". Selbstverständlich pöbelte er den B. J. C. an durch die Erklärung, daß der B. J. C. viel zu wenig Wert auf die äußere Erziehung lege; in der Diskussion traten ihm Greifenhagen und B a e r natürlich energisch entgegen. B a e r wird demnächst im Knabenverein auch einen Vortrag halten und so die Diskussion fortsetzen. Es ist in Stettin wie überall anders auch früher manches versäumt worden; jetzt tun wir jedenfalls unser Möglichstes. Wir haben uns sogar für 100 Mark Waffen angeschafft, an deren Abzahlung wir schwer zu tragen haben, und bringen den Gymnasiasten das Säbelfechten bei; wir glauben, daß dies ein gutes Keilmittel ist; ob sie aber nicht das, was sie bei uns gelernt haben, im K. C. verwerten, ist nicht abzusehen. Auch sonst werden sie eifrig bearbeitet, Tag und Nacht. Besonders in den Ferien, wo wir regelmäßig Bierabende veranstalteten, wurde enorm gekeilt; besonderer Dank gebührt Bbr. Stein aus Berlin, der uns mächtig half. In den Sommerferien stieg auch eine Keilkneipe im Ostseebad Kolberg, die uns für die Provinz einiges nützte; auch in der Provinz arbeiten wir durch Versendung des J. St. und von Keilbriefen nach Möglichkeit. In Stettin gibt es auch eine Anzahl Paritätiker, die sich aber als Juden nicht zu erkennen geben; in den Ferien ist ein aktiver K. Z. V.-er da, der harmlos ist. Die Aussichten für die Zukunft sind minimal; Cohn geht jetzt nach bestandenem Assessorexamen fort, Greifenhagen binnen kurzem; B a e r und Ascher bleiben auch nicht in Stettin; was wird dann aus der Ortsgruppe, aus dem Turnverein? Unser tüchtigster und bester Keilfux, den wir in einem Jahr als Renommierfechter und Agitationsredner auf die Universität entlassen, bleibt auch nicht inStettin. DieseStadt des ausgeprägtesten jüdischen Indifferentismus ist wohl verloren, aber das alles hindert uns nicht, solange