Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 7 (10.10.1911)
- Date
- 1911-10-10
- Page
- [Seite] (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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218 Der jüdische Student — (September.) *) Die Fülle von Arbeit, die bisher die ortsanwesende kleine Activitas stetig in Atem gehalten hat, ließ uns in den letzten Wochen gar nicht recht zum Bewußtsein und zum Genüsse unserer Ferienmuße kommen. Oleich nach Schluß des Semesters mußten die Vorarbeiten für die Anfang August geplante Karlsruher Keilkneipe in Angriff genommen werden. Zwar wurde sie infolge Abwesenheit der in Betracht kommenden Keilfüxe abgesagt, aber nach kurzer Ruhepause setzte die Arbeit bald nach den Kongreßtagen wieder ein und der 13. September wurde als endgültiger Termin für die Kneipe festgesetzt. Die letzten drei Wochen standen denn ganz im Zeichen dieser Keilarbeit. Es war seit Jahren die erste Veranstaltung dieser Art, die in der badischen Hauptstadt in Aussicht genommen war; da galt es, die Vorbereitungen aufs sorgfältigste zu treffen und vor allem einheitlich zu organisieren. Aber schon bei den Vorarbeiten stellte sich heraus, daß die zur Mitarbeit aufgeforderten auswärtigen Bundesbrüder vollkommen versagten. Bei den dringendsten Anfragen, die sofort beantwortet werden sollten, konnte man ganz bestimmt mit verspäteten und unvollkommenen Auskünften rechnen. Trotz der umfang- und arbeitsreichen Korrespondenz, die Bbr. S a 1 o m o n, XX a. i. für August, nach allen Richtungen hin pflegte, konnte man bis zum letzten Moment noch nicht einmal die Anzahl der teilnehmenden Bundesbrüder erfahren. Sogar über die Keilfüxe, über ihre Zahl, über ihre jüdischen Neigungen, die wir doch z. B. für die Tendenzrede berücksichtigen mußten, waren wir nicht ausreichend orientiert. Und zu alledem verursachte eine so kleinliche Frage wie die Deckung der Kosten eine in puncto Vornehmheit nicht gerade auf der Höhe stehende Korrespondenz. Man denke: Wir Aktiven, die größtenteils einen gekürzten Ferienwechsel beziehen, zögern keinen Moment, die ziemlich beträchtlichen Kosten der Reise aufzubringen — und die selbstständigen Alten Herren des Bezirksverbandes wissen auf unsere Aufforderung, die Auslagen für den Abend zu übernehmen, keine andere Antwort, als „daß der Bezirksverband als solcher kein Geld habe". Als ob es uns darauf ankam, vom Bezirksverband als solchem das Geld zu erhalten! Aber das ist bloß die Liste der kleinen Fehler und Vergehen. Sie verschwinden fast gegenüber der einen Tatsache, daß auf dieser für die Stärkung unserer Karlsruher und badischen Position so überaus wichtigen, ja entscheidenden Veranstaltung auch nicht ein einziger der badischen Alten Herren sich blicken ließ. Und daß noch dazu, obwohl der Kneipe eine Bezirksverbandstagung voraufgehen sollte, auf der die eventuelle Teilung des B. V. *) Ich empfehle den J. St.-Berichterstattern diesen Vereinsbericht als Muster. ec.