Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 7 (10.10.1911)
- Date
- 1911-10-10
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537691-3537698--2039-3540156- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der jüdische Student 187 Sprache seitdem als Kongreßsprache durchgemacht! Auf dem IX. Kongreß hat S o k o 1 o w den Bericht des E. A. C. in hebräischer Sprache erläutert. Auf dem X. Kongreß hat das Hebräische einen solch breiten Raum eingenommen, daß die unserer Nationalsprache Unkundigen schmerzlich dieses Gebrechen fühlten und die Notwendigkeit empfanden, diese Lücke auszufüllen. Zum ersten Male hatte die offizielle Eröffnungsrede des Präsidenten eine längere hebräische Einleitung. In der Misrachistendebatte erlebten wir die überaus packende und mit hinreißender Kraft in unserer Sprache vorgetragene Rede U s s i s c h k i n s. Die denkwürdige 8. Sitzung, die der geistigkulturellen Renaissance gewidmet war, ist ganz in hebräischer Sprache geführt worden. In diesem Fortschreiten spüren wir den Nationalismus der Oestier. Für uns Westler war jenes Ereignis niederdrückend und erhebend und anspornend zugleich. So wertvoll und unentbehrlich die durch die politische Schule der westeuropäischen Kulturvölker gereiften Zionisten ür die Befestigung und den Fortschritt der Organisation, für das materielle und moralische Ansehen der Bewegung in der Welt sind — für die innere nationale Entwicklung der Bewegung ist das Ostjudentum das wesentliche Element. Das Wirken beider Volksgruppen im Zionismus ist eine Notwendigkeit. Es ist um so ersprießlicher, je intensiver die gegenseitige Berührung und Durchdringung einen Ausgleich anbahnt, der bei der Art des Gegensatzes sehr wohl möglich ist. Dieses gemeinsame zionistische Wirken schien durch die Entwicklung der letzten Jahre in Frage gestellt. Und damit schien ein großes Unglück für die zionistische Bewegung sich vorzubereiten. Die Oestier fühlten ihren Geist, den Inhalt ihres Wesens aus der Bewegung ausgeschaltet. Sie sahen ihren Einfluß auf die Geschicke der Bewegung schwinden und verlangten im Interesse des Zionismus ihren Einfluß sichernde organisatorische Maßnahmen. Sie kämpften um die Reorganisation der Leitung einen jahrelangen Kampf, sahen sich durch den Ausgang des IX. Kongresses in ihren Erwartungen bitter getäuscht und setzten ihre letzte Hoffnung auf den X. Kongreß. In weniger schweren Zeiten hätten sie ihren Willen vielleicht aus eigener Kraft durchgesetzt — wie schon früher einmal. Die im Zarenreiche herrschenden Zustände machten eine intensive zionistische Arbeit unmöglich. Sie