Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 7 (10.10.1911)
- Date
- 1911-10-10
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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184 Der jüdische Student sache jener inneren Kämpfe, die sich viele Jahre hindurch in unseren Reihen abgespielt haben, deren leidenschaftliche Heftigkeit bisweilen die gewonnene Kongreßeinheit zu zerstören drohte, deren Vorhandensein unsere Widersacher als den Keim unserer sicheren Auflösung betrachteten. Wenn die durch eine lange Geirenntentwicklung entstandenen Gegensätze zwischen Ost- und Westjuden in den Kongressen aufeinanderprallen und grel in die Erscheinung treten, dann fühlen wir tief und schmerzlich! die Wunden, die uns das Golus geschlagen hat. Zugleich haben wir das hoffnungsfrohe Bewußtsein, daß hier notwendige Auseinandersetzungen mit dem Geiste der Diaspora stattfinden, und deshalb diesen Kämpfen nicht ausgewichen werden kann. Weil sie so geartet und nicht künstlich in die nationaljüdische Bewegung hineingetragen sind, halten sie den Volksgesundungsprozeß nicht auf. Sie fördern ihn vielmehr. Sie sind die eigentlichen Bringer der Entwicklung. Unter diesem Gesichtswinkel betrachtet, hat der soeben geschlossene X.Kongreß als ein neuer bedeutsamer Orientierungspunkt für die weitere zionistische Entwicklung zu gelten. Durch den X. Kongreß haben die Auseinandersetzungen zwischen Ost und West im Zionismus zu einer Einigung oder richtiger wohl zu einer gegenseitigen vertrauensvollen Annäherung geführt. Um die Bedeutung dieser Tatsache zu würdigen, ist es erforderlich, ein wenig bei dem Problem Ost und West zu verweilen. Für die bisherige zionistische Entwicklung ist das Ost- und Westjudentum ausschlaggebend gewesen. Das wird wahrscheinlich künftig noch eine Weile so bleiben, wenn auch mit dem Eintreten anderer wertvoller Teile des jüdischen Volkskörpers in den Prozeß der nationalen Regeneration in der Zukunft gerechnet werden muß. Es haben sich bereits vielversprechende Ansätze für das nationale Wiederaufleben der sephardischen Judenheit in der Türkei gezeigt. Eine Frage absehbarer Zeit wird das Erwachen des jüdischen Orients sein; und das Lebendigwerden dieser jüdischen Volkselemente wird Auseinandersetzungen zur Folge haben, deren Wirkung für die nationaljüdische Gesamtheit sicherlich einen Gewinn bedeutet. In der Gegenwart spielen diese Volksteile für unsere Renaissancebewegung noch keine, wenigstens keine aktive Rolle. Die jüdische