Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 5-6 (20.9.1911)
- Date
- 1911-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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172 Der jüdische Student Charlottenburg. Im vergangenen Semester war unser Vereinsleben sehr rege. Zahlreiche Kneipen und Vorträge hatten ihren Teil dazu beigetragen. Von letzteren sind zu erwähnen : A. H. Dr. Heinrich L o e w e: Die Sprachen der Juden. A. H. Dr. Theodor Zlocisti: Technik und Persönlichkeit. Nebenher fanden auch einige kleinere Ausflüge statt. — Jeden Tag trafen wir uns um zehn Uhr auf der Galerie im Lichthofe der Hochschule. Der größte Teil der Aktivitas war außerdem Mitglied der Ruderabteilung. 1. VIII. 11. Kurt Pick Freiburg i. B. Nachdem wir bereits am 22. April durch ein internes Cafe das Semester offiziell begonnen hatten, ließen wir in einigem Abstände am 13. Mai das äußere Zeichen der wieder aufgenommenen Vereinsarbeit, die offizielle Antrittskneipe, folgen. Sie nahm dank der zahlreich anwesenden Alten Herren, dank eigens zu diesem Zwecke von auswärts hergekommenen V. J. St.-ern, dank der schon damals imponierenden Zahl unserer Füxe, vor allem aber durch den herrschenden jugendlich-frohen, dabei aber bewußt-jüdischen Geist einen schönen Verlauf. Und in all diesem sollte sie ein glückliches'Omen für das begonnene Semester sein. Riefen uns die immer neuen Besuche auswärtiger V.J.St.-er in das Gedächtnis, daß der ganze B.J. C. in treuer Bundesbrüderschaft zusammensteht wie ein Mann, sagte uns die Mitarbeit unserer lieben Alten Herren, daß es im B.J. C. keine Grenze gibt zwischen Alt und Jung, so bewies uns die Menge der neu aufgenommenen erstsemestrigen Füxe — 17 an der Zahl —, daß unsere Arbeit auf dem rechten Wege ist und sich immer mehr Verständnis erringt in den Kreisen selbst der jüngsten Akademiker. Aber gerade angesichts der großen Zahl unserer jüngsten Bundesbrüder wuchs auch unsere Verantwortung, sie zu guten Juden heranzubilden. Und so nahmen wir mit ganz besonderem Eifer die Vereinsarbeit auf. Allwöchentlich vereinigte uns ein Vortrags- oder Diskussionsabend. Von Vorträgen, die ein besonderes Interesse hervorriefen, seien genannt: Die Lage der Juden in Deutschland (I.A.B. Dukes), Juden und Judentum in der Romanliteratur der jüngsten Jahre (A. H. Bezirksrabbiner Dr. Eschelbacher), Gabriel Riesser und wir (R o s e n b a u m), Die wirtschaftliche Judenfrage (L e 1 e v e r),