Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 4 (20.7.1911)
- Date
- 1911-07-20
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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136 Der jüdische Student Blumenfeld wird wegen grober Verletzung der Disziplin, begangen durch schwere Beleidigung eines A. H. bei einer B. J. C-Veranstaltung, zu 3 Monaten Dimission verurteilt. Die Strafe läuft vom 15. VII. bis 30. X., sie wird vom 5. bis 20. August ausgesetzt. 8. VII. 11. Siedner * * * Marburg. Der Monat Juni brachte uns manche aufregende und sensationsreiche Arbeit. Nicht weniger als drei Mensuren haben wir in den letzten 14 Tagen gefochten. Die Bundesbrüder Schoen (Marburg) und Katzenstein (Marburg) aus München, die noch von einem früheren Semester aus antisemitischer Veranlassung hängen, traten am 17. und am 20. Juni gegen Herrn Stuckenschmidt von dem hiesigen S. O. V. „Fridericiana" auf s. s. 15' an. Schoen paukte aus, Katzenstein wurde abgeführt. Am 30. Juni focht Bbr. Loebenstein gegen Herrn Otto von der hiesigen A.D.B.-Burschenschaft Sigambria c. 15' getreu der Tradition, daß in jedem Sommersemester die Erstchargierten des V. J. St. Marburg antreten; er paukte aus. Auch an dieser Stelle sprechen wir nochmals unseren 1. Bbr. Bbr. Eisberg aus Berlin und Schutz und Moses aus München für ihr freundliches Sekundieren sowie auch den Bonner Bundesbrüdern für ihr zahlreiches Erscheinen und ihre geleisteten Dienste den besten Dank aus. Von der inneren Vereinstätigkeit ist dieses Mal wiederum nichts Außergewöhnliches zu berichten; wenn man nämlich unsere Arbeit, soweit sie sich auf Erziehung unserer Füxe erstreckt, abrechnet, bleibt vom eigentlichen Vereinsleben nicht viel außer dem freundschaftlichen und engen Zusammenleben übrig. Desto mehr suchten wir uns außerhalb der Korporation zu betätigen, besonders auf zionistischem Gebiete, angeregt durch ein Mahnschreiben von A. H. Kurt Blumenfeld. Wir veranstalteten in Marburg, Kirchhain und Gießen Schekelpropagandaversammlungen, von denen besonders die letzte einen erfreulichen Besuch und Erfolg aufzuweisen hatte. Im großen und ganzen dürfen wir mit unseren Errungenschaften zufrieden sein, da wir dieses Mal eine für hiesige Verhältnisse unerreichte Zahl von 55 Schekeln aufbrachten. A. H. Referendar Dr. Gottlieb, Frankfurt a. Main, und I. A. B. Zamory, Marburg, den beiden Rednern in diesen Versammlungen, sei auch von hier aus noch besonders gedankt. Vielen unserer Bundesbrüder im Reiche wird diese Tätigkeit der V.J.St. Marburg als ganz erfreulich erscheinen; wir selbst können und dürfen damit nicht zufrieden sein. Denn wir halten: es durchaus nicht mit der Geschlossenheit und der Exklusivität einer studentischen Korporation für vereinbar, wenn wir nicht