Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 4 (20.7.1911)
- Date
- 1911-07-20
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Der Judische Student Monatsschrift des Bundes Jüdischer Corporationen 8. Jahrg. Berlin, 20. Juli 1911 No. 4 Was bedeutet uns der Kongreß? Von Erich Cohn In freudiger Spannung bereiten wir uns seit vielen Wochen auf die Tage des Kongresses vor. Nicht nur wegen der Fülle wichtiger tatsächlicher Mitteilungen und Beschlüsse, die wir gerade vom X. Kongreß erwarten, sondern weil uns der Kongreß an sich als die Erfüllung unseres ganzen zionistischen Denkens und Empfindens erscheint. Es ist eine Tatsache, die man anerkennen muß, daß den meisten von uns das jüdisch-religiöse Empfinden verloren gegangen, daß uns die Synagoge gewiß ein ehrwürdiges Stück Judentum, aber im Grunde doch kein lebendiger Wert mehr ist. Man wird die Gefühle, mit denen wir einem Kongreß entgegensehen, am besten jenen vergleichen, mit denen das alte Judentum seine „hohen Feiertage" beging. Herzls Todestag und die Tage des Kongresses sind unsere neuen nationalen Feiertage, sind die ersten Lebensformen, die der Zionismus sich geschaffen hat. Von dem Augenblicke an, da wir das Haus des Kongresses betreten — nun gar das Haus in Basel, in dem sich die Fülle der Erinnerung an Herzl auf uns herniedersenkt — sind wir in einer andern Welt. Zunächst ist eine gewisse Fremdheit zu überwinden. Es ist sehr oft geschildert worden, wie imposant schon das Zusammenströmen der ganzen Mannigfaltigkeit jüdischer Typen aus aller Welt wirkt. Imposant ganz gewiß, und herzerfreuend, weil man darin die Macht und Größe der Idee erkennt, die diese Menschen zusammenführt. Ich weiß, welch stolze Freude wir empfanden, als wir nach Hamburg mit einem Manne zusammen fuhren, der, mitten im Winter, der fünf Kongreßtage wegen aus Canada gekommen war, nicht einmal als Delegierter, sondern als einfacher Zuschauer. — Aber dieselbe Erscheinung hat doch noch eine andere Seite. Wer vor