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Der jüdische Student · 1911-04-20 · Heft 1 (20.4.1911) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 1 (20.4.1911)
Date
1911-04-20
Page
[Seite] (sequence 37)
Language
German
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Der jüdische Student. 37 Wichtig ist auch das gesellige Moment Geselligkeit ist nicht bei allen Leuten in Ansehen. Manche halten die Geselligkeit, die der V. j. St. pflegt, für eine Barbarei. Wir aber kennen den Wert unserer Geselligkeit. Gerade jetzt, nachdem viele von uns „Alten" ruhiger und mit sich selbst fertig geworden sind, können wir wieder an einen wirklich bundesbrüderlichen Zusammenschluß denken. Vielleicht könnten wir sogar manche von den älteren V. J. Stern, die zum Teil aus den nichtigsten Gründen ausgetreten sind, aber doch vielen von uns höchst wertvoll erscheinen, wieder an uns heranziehen. Vor allem aber müssen wir unserem Bestreben, die Achse des Berliner jüdischen Lebens zu werden, gerecht zu werden versuchen. Wir müssen in die Berliner Vereine hineingehen. Beispielsweise schreibt der „Hilfsverein Jüdischer Studierender4 in seinem letzten Bericht, es seien nicht genug Leute da, die ihm sein Geld abnähmen. Das kann nur dadurch möglich sein, daß wir nicht in diesem Verein sind (Stürmische Heiterkeit). Ich führe dies nur als ein Beispiel an. Wenn wir eine gut disziplinierte Organisation der Alten Herren hätten, so könnten wir mit Leichtigkeit in den Vorstand dieses Vereins hineinkommen. Ebenso steht es mit der Hochschule. Die Hochschule hat Kuratoren, die eifrig darüber debattieren, bis zu welchem Prozentsatz ein Dozent zionistische Gesinnung besitzen darf. Auch da könnten wir giatt unsere Leute hineinwählen und die andern zurückdrängen. Auch im Barkochba haben wir ein weites Tätigkeitsfeld. Wenn wir eine Einheit bildeten in dem Sinne, daß eine Zentrale da wäre, die alle Aufgaben überblicken würde, so könnten wir unsere Leute wie Abgesandte hinaussenden und in den Vereinen alles mögliche durchsetzen. Auch nach der Seite der wissenschaftlichen Vertiefung könnten wir wirksam werden. Unsere Mitglieder müßten dasbrachliegendeGebiet derjüdischen Wissenschaft in ihren Dissertationen bearbeiten. Ich denke dabei in erster Reihe an Historiker und Juristen. Wir könnten kleine Stipendien schaffen und damit solche Arbeiten unterstützen. Was die äußere Form unserer Zusammenkünfte anbetrifft, so müssen wir versuchen, einen weiteren geselligen Kreis zu schaffen. Wir werden nicht bloß Herrenabende, sondern auch Familien-Abende veranstalten, zu denen die verheirateten Alten Herren mit ihren Frauen erscheinen sollen und zu denen wir auch Freunde und Bekannte einladen. Das ist auch für das Keilen wichtig. Wir haben alle die Kinoth gelesen, die das Präsidium losgelassen hat. Wir können aber nicht aktiv keilen, sondern nur indirekt durch Erweiterung unseres gesellschaftlichen Kreises.

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