Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1911-04-20 · Heft 1 (20.4.1911) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 1 (20.4.1911)
Date
1911-04-20
Page
[Seite] (sequence 36)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3537599-3537691-3537693--1886-3539998
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

36 Der jüdische Student. G öl dem an n, Kretschmer, Kneller. — Ferner die Aktiven: Lissauer und Curt Pick. He inrich Loewe eröffnete als Alterspräside die Sitzung, indem er dem Wunsche Ausdruck gab, daß die Organisierung des Bezirks Verbandes, die er als eine -dringende Notwendigkeit bezeichnete, endlich gelingen möge. Sodann erstattete Zlocisti das einleitende Referat. Er führte ungefähr folgendes aus: Es ist nicht recht verständlich, daß ein Berliner Alterherrenbund bisher nicht florieren konnte. Persönliche Differenzen lagen nicht vor. Schuld war vielleicht, daß Berlin durch seine Größe einen Verkehr unter den Alten Herren erschwert. Vor allem aber machten sich wohl die Existenzschwierigkeiten bemerkbar, mit denen die Einzelnen zu kämpfen hatten und die in Berlin größer sind als in der Provinz. Jetzt haben wir aber gehug Leute, die über die ersten Schwierigkeiten hinaus sind und sich in gesicherten sozialen Positionen befinden, so daß man jetzt wieder eine Organisation der Alten Herren gründen kann. Wir müssen aber auch wieder mit den Jüngeren zusammenkommen. Auch dafür wird die Neuorganisation gut sein. Wir haben auf dem Kartelltag gemerkt, daß wir alle garnicht richtige V. J. Ster waren. (Heiterkeit). Ich sage das nicht ironisch. Der Sinn des tieferen Zusammenhanges zwischen der V. J. Ster- und der allgemeinen jüdischen Arbeit ist erst den Jüngeren aufgegangen. Wir haben kürzlich alle im J. St. den Aufsatz unseres lieben Freundes Weinberg gelesen. Er klagt darüber, daß er keine jüdischen Eindrücke aus seiner V. J. Ster-Zeit mit hinausgenommen habe. Nun, ich meine, es gehörte die ganze Krummheit eines Fuchsen dazu, um nicht das Leben und die Begeisterung zu spüren, die damals in der Zeit der ersten Kongresse uns alle erfüllte. (Heiterkeit und Zustimmung.) Tatsache ist aber, — und darin liegt unser Fehler, — daß wir alle zu sehr mit uns selbst und mit Eigenem beschäftigt waren. Wir kamen als fertige Menschen in den Verein. Uns fehlte der Werbeeifer, und wir fragten nicht nach dem, was die Jüngeren Erziehungsmethoden nennen. So kam es, daß viele, die nicht wie Weinberg durch eigenes Nachdenken zu V. J. Stern geworden sind, von unseren Ideen innerlich unberührt geblieben sind. Es wird daher auch eine Aufgabe unserer neuen Organisation sein, manche von diesen Aelteren, die heute noch gefördert werden können, wieder an uns heranzuziehen, die Idee wieder in ihnen lebendig werden zu lassen und sie möglichst zu aktiver Anteilnahme am jüdischen Leben zu bringen. Wir werden dabei bei den Jüngeren in die Lehre gehen müssen, auf deren Eifer und Begeisterung wir mit Verehrung und mit streckenweiser Bewunderung herabblicken. (Stürmische Heiterkeit.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.