Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 1 (20.4.1911)
- Date
- 1911-04-20
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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26 Der jüdische Student. sind, um uns am Anders- und Besonderssein berauschen zu können. Das Zusammengehörigkeitsgefühl, das Ludwig Mayer auch bei uns zu finden glaubt, ist, wenn es nicht selbst schon Patriotismus ist, nichts, als ein schmerzliches Nichtloskönnen von etwas, das man nur zu gern loswerden möchte. Es war gut, daß Rosenblüth auf die Gefahr aufmerksam machte, die uns droht, nicht über einen Fanatismus der Überzeugung hinauszukommen, eine Gefahr, der gerade wir, die wir von der Assimilation kommen, besonders ausgesetzt sind. Aber man überschätze diese Gefahr auch nicht. Es liegt doch oft so, daß sich die Regeneration des Herzens längst vollzogen hat, ehe wir es wissen, und daß wir nur, weil wir dies noch nicht wissen, unseren Zionismus mit Argumenten stützen. War nicht selbst Herzl in dieser Lage? Denn die Stimmung, die unseren Kartelltag beherrscht hat, die Berliner Veranstaltungen oft zu beherrschen pflegt und um deren Willen wir allein die Teilnahme an großen, zionistischen Tagungen für wertvoll halten — sie war selten reiner als auf unserer David-Wolffsohnkneipe — sie ist ja doch ein Produkt des patriotischen Geistes. Jeder, der einmal von dieser Stimmung ergriffen wurde, der einmal begriffen hat, daß es sich im B. J. C. um etwas Großes handelt, hat schon dieses Geistes einen Hauch. Vielleicht bedarf es nicht mehr, als sich bewußt zu werden, daß es eben die Arbeit für unser Volk ist, die unserm Leben eine erhöhte Bedeutung gibt und uns über uns selbst erhebt, um aus dem einmaligen Erlebnis einen dauernden Zustand zu machen, um uns den Patriotismus zu geben. Daß im B. J. C. dieser Geist herrscht, verdanken wir allein der entschiedenen Betonung des Zionismus. Denn wie nur er diesem Geiste Genüge tun kann, so ist er es umgekehrt allein, der — worauf erst kürzlich M. Calvary in der „Welt" hinwies — den langvermißten Ton des Enthusiasmus wieder vernehme. Daß dieser Zionismus kein „Parteizionismus" ist in einem Sinne, wie man ihn diesem Worte geben möchte, brauche ich nicht erst zu betonen. Auch den Unterschied zwischen uns und anderen zionistischen Korporationen werden viele jetzt von selbst erkennen: daß wir der Gefahr entgangen sind, um das Beste zu kommen, was der Zionismus zu geben hat, weil wir ihn nicht nur als Partei genommen haben. Aber eine andere und