Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1911-04-20 · Heft 1 (20.4.1911) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 1 (20.4.1911)
Date
1911-04-20
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3537599-3537691-3537693--1863-3539975
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der jüdische Student. 13 sein latent, auch unterdrückt durch Raisonnements, Familienverhältnisse, mangelnde Klarheit über unser Verhältnis zur deutschen Kultur u. a. m. Vorhanden ist das Nationalgefühl bei allen. Sonst wären sie garnicht bei uns. 5. Ich wünschte, daß der Verein sich durch nicht in die Statuten aufzunehmenden Beschluß für nationaljüdisch erklärte. In den ersten Jahren des Bestehens haßten alle das Wort „Selbstbewußtsein" entsprechend auch, was uns nicht hinderte, auch gelegentlich Deutschnationale aufzunehmen. Außer unseren Vereinsmitgliedem und wenigen Juden gibt es niemand, der uns nicht für national hielte. Weshalb also Versteck spielen? Unserem Wachstum werden wir dadurch garnicht schaden und und nach Innen einheitliches Denken schaffen. Martin Friedländer (ausgeschieden.) 1. Ja; jeder Zweifel wäre unmöglich, wenn wir nicht in der Diaspora lebten; dadurch daß dies der Fall ist, kann man aber auch keinenfalls die nationale Zusammengehörigkeit, ja Einheit der Juden leugnen. 2. Die Frage scheint mir mit Obigem beantwortet; ich bin Nationaljude. 3. Wenigstens für den weitaus größten Teil aller Juden sehe ich in einem eigenen Staate das einzige Mittel was die einzelnen angeht ihre Individualität voll zum Ausdruck zu bringen und inbetreff der Gesamtheit zum modernen Kulturvolk zu werden. Insofern als ich beides wünsche, bin ich Zionist 4. Der V. J. St. beruht ganz selbstverständlich auf einer nationaljüdischen Grundlage; meiner Ansicht nach können überhaupt die Juden, besonders die des Westens, nur — noch — als durch nationale Bande zusammengehörig angesehen werden. Im Osten ist, wie ich höre, Volk und Religion so eins, daß eines ohne das andere als Unding erscheint. 5. Ich weiß nicht, wie das Betonen zu denken ist. Jeder Denkende muß die nationale Grundlage des Vereins sehen. Ist das Betonen so gedacht, daß wir nur bewußte National juden (Zionisten) aufnehmen sollen, so bin ich gegen dies „Betonen", da er in seinem jetzigen Bestand dieser Sache besser dient als in irgend einer anderen Form.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.