Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 1 (20.4.1911)
- Date
- 1911-04-20
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Der jüdische Student. kenntnis einer nationalen Tendenz trug die Vermittlungs- und Verschleierungstaktik den Sieg davon, welche die kommende Aera des V. J. St. beherrscht hat. Damals wurde die spezifische Gedankenwelt des V. J. St. geschaffen, die Schlagworte geprägt, die das agitatorische Rüstzeug der nächsten Generation wurden: vom Sammelpunkt der jüdischen Interessen, dem Tummelplatz aller Richtungen, der Erziehungsmission u. a. m. Sich der siegreichen Strömung entgegenzustellen, wagten nur wenige, denen die Verbreiterung der für den Verein geschaffenen Basis zugleich auch die Gefahr einer Verflachung zu drohen schien. Der Erfolg der neuen Tendenzauffassung lag nach ihrer Meinung hauptsächlich darin, daß sie der Unklarheit einer großen Zahl der Vereinsbrüder entgegenkam. Um in den grundlegenden Fragen der Vereinstendenz einige Aufklärungsarbeit zu verrichten, die halben Unentschiedenen zu ehrlicher Ueberlegung und konsequenter Entscheidung zu veranlassen, war eine Aufgabe, welche die Enquete sich stellte. Die zweite verfolgte einen statistischen Zweck. Eines der Hauptargumente, das in den damaligen Kämpfen eine große Rolle spielte, war die Rücksicht auf die angeblich große Zahl der nicht zionistisch gesinnten V. J. Ster, welchen ein ausgesprochen nationales Programm den Austritt aufzwingen würde. Daß diese fable convenue auf unrichtigen Voraussetzungen beruhte, wollte die Enquete gleichfalls beweisen. Dieser skizzenhaften Andeutung der Atmosphäre, aus welcher die Enquete geboren wurde, sollen noch einige kurze Angaben über diese selbst folgen. Sie wurde an sämtliche damaligen Mitglieder gerichtet, jedoch nur von der Hälfte erwidert, und zwar beantworteten sie: von 10 alten Herren 4, von 11 inaktiven 6, von 25 aktiven Burschen 13, von 10 aktiven Füxen 5. Die Fragestellung wird heute etwas primitiv, teilweise auch unkorrekt erscheinen, nicht minder manche Antwort ein gewisses Lächeln abnötigen. Es darf aber nicht vergessen werden, daß uns von jener Zeit ein Dezennium trennt. Damals begann doch erst in einem größeren Kreise die Behandlung dieser Prinzipienfragen, die jüdisch-nationale Phraseologie war erst im Entstehen begriffen. Diejenigen unter der jüngeren Generation, welche im Bewußtsein ihrer schärferen Durchdringung dieses Fragenkomplexes und ihrer größeren dialektischen Sicherheit auf manche