Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 1 (20.4.1911)
- Date
- 1911-04-20
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student Monatsschrift des Bundes Jüdischer Corporationen 8. Jahrg. Berlin, 20. April 1911. No. 1. Eine Tendenz-Rundfrage vor zehn Jahren. Vorbemerkung der Redaktion. Wir veröffentlichen nachstehend das Ergebnis einer Umfrage, die Bbr. Hecker vor zehn Jahren ververanstaltet hat. Mancher von denen, die damals geantwortet haben, wird inzwischen seine Ansichten geändert haben; wir hatten aber keine Bedenken, die Publikation vorzunehmen, weil es sich hier um Dinge handelt, die jetzt schon zur Geschichte gehören und die darum jeden V. J. Ster interessieren. Auf seine Ansichten von damals soll niemand wider Willen festgelegt werden. Die Enquete, welche ich im W. S. 1900, 01 veranstaltet habe, gehört einer Epoche an, welche in der Geschichte des Berliner V. J. St. eine bedeutungsvolle Rolle gespielt hat. Sie fällt in die Uebergangszeit, welche das erste Stadium der Vereinsentwicklung ablöst und zu einer neuen Aera überleitet. Jenes war die gute alte Zeit der „Vereinigung jüdischer Studierender"; bescheiden in der Betonung des korporativen Charakters, in der Tendenz zwar äußerlich wenig scharf umrissen, innerlich aber unzweifelhaft vom nationalen Oedanken beherrscht. Der Uebergang erfolgte nicht sprunghaft, sondern allmählich, durch die Einwirkung verschiedener Umstände bedingt. Die Schaffung einer strafferen Organisationsform, das stärkere Hinaustreten in die Oeffentlichkeit, das numerische Anschwellen der Mitgliederzahl, das nicht eines gewissen imposanten Eindrucks entbehrte, aber doch Gefahren in sich barg, das Beispiel der neuen Schwester-Vereine, deren Gründung wesentlich anderen Voraussetzungen entsprang, schließlich die Schaffung des B. J. C, die zu einer klaren Formulierung des Programms zwang, alle diese Faktoren wirkten zusammen, um dem Vereine eine neue Plattform zu geben. Die Fragen nach Wesen und Zweck des Vereins wurden breit aufgerollt und gaben zu vielen Wortkämpfen Anlaß. Ihr sichtbares Ergebnis war die unglückliche Formulierung des Tendenzparagraphen vom ersten Kartelltag, die alle Zeichen des Kompromisses in sich trug; gegenüber dem unumwundenen Be-