Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 12 (März 1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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361 es Turnvereine, in denen ein unklarer Oeseiligkeitstrieb und Scheu vor dem Antisemitismus nur Juden zusammengeführt hatte. Ihnen fehlte jedoch das Bewußtsein ihrer Sendung ebenso wie der nationale Stolz, das offene Bekennen zum Judentum. Das änderte sich erst mit der Gründung des Berliner „Vereins Jüdischer Studenten", der das Turnen für alle seine Mitglieder offiziell machte. Hier zum ersten Male turnten junge Juden zusammen in dem Bewußtsein und mit dem Willen, beizutragen zur körperlichen Ertüchtigung des jüdischen Volkes. Sie erkannten klar, was infolge des nationalen Charakters der jüdischen Religion so vielen verborgen geblieben war, daß das Judentum ein Volk sei, daß dieses Volk die verlorene Spannkraft des Leibes nur dadurch wiedergewinnen könne, daß sich der einzelne stark und kräftig mache im Hinblick auf das große Ganze. Bald sollte die Bewegung auch auf weitere, nichtakademische Kreise hinübergreifen. Am 22. Oktober 1898 fand die Gründung des Jüdischen Turnvereins Bar Kochba zu Berlin statt, in dem die V. J. Ster mitturnten, bis der junge Verein gekräftigt genug schien, um ihrer Beihilfe zu entbehren. Vom Bar Kochba aus hat sich dann die junge Bewegung kräftig entwickelt. Allerorten, wo man sich Erfolg versprach, wurden neue Vereine gegründet, die sich mit dem Bar Kochba in der Jüdischen Turnerschaft zusammengeschlossen haben. Weit über 5000 Mitglieder in Deutschland," Oesterreich, Rumänien, der Türkei und Palästina zählt heute die Jüdische Turnerschaft. Und ihre turnerischen Veranstaltungen haben bewiesen, daß sie nicht vergeblich gearbeitet hat. Freilich, groß sind die Schwierigkeiten gewesen, die allenthalben zu überwinden waren. „Liberale Juden", die über unerhörten Terrorismus schreien, wenn sie in einem konservativen Dorfe keinen Saal für eine liberale Versammlung bekommen, benutzten ihren Einfluß auf die Stadtverwaltungen, um den jüdischenTurnvereinen die Turnhallen abzutreiben, jüdische Gemeinden verweigerten ihnen die Hallen der jüdischen Schulen. Groß war daher die Verlustliste. Von 18 in Deutschland von 1898 bis 1908 gegründeten Vereinen haben 9 sich wieder auflösen müssen. Und auch die anderen hatten lange, haben zum Teil auch heute noch mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Immerhin, der schwerste Teil der Arbeit ist getan. In die Masse des